KEINESFALLS HOELZERN

Veröffentlicht von: am 30. März 2012

Laufräder aus Holz.

Man muss das Rad nicht immer neu erfinden, oft reicht auch schon eine einzige Felge. Im Fall von Wolfgang Kugi und Sebastian Hochsteiner sind das spezielle Felgen aus Holz. Seit gut einem Jahr produziert die Firma „WOW – the Wooden Wheel Company“ hochwertige Holzfelgen für Fahrräder und Rollstühle.

Um zu erfahren wie das Projekt „Holzfelge“ ins Rollen kam drehen wir das Rad der Zeit um einige Jahre zurück. Der gelernte Elektriker Kugi begegnet dem gelernten Elektriker Hochsteiner erstmals bei der Lehrabschlussprüfung. Nach bestandener Abendmatura in der HTL kreuzen sich die Wege der beiden erneut auf der Maturareise. Holzfelgen schwirren zu dieser Zeit aber nicht einmal in den kühnsten Träumen durch ihre Gehirnwindungen.

Zur selben Zeit, doch völlig unabhängig voneinander, beschließen die beiden sich dem Studium der Holztechnologie und Prozesstechnik an der Universität für Bodenkultur in Wien zu widmen. Um das Wissenschaftliche mit dem Praktischen zu verbinden, kreisen die beiden passionierten Radfahrer ihr Thema für die Abschlussarbeit rund um die Holzfelge ein. Die Universität eröffnete beste Möglichkeiten für unendlich viele Materialtests und im Laufe der Forschungen für die Bachelor-Arbeit wird klar: um die gemeinsam entwickelte Holzfelge wird sich im Leben der beiden Studenten noch so einiges drehen.

„Du musst halt einfach bauen und probieren.“

Zugegeben half auch das Glück ein wenig mit, verrät Wolfgang Kugi, der schon nach dem Bau der ersten Felge von deren Potential sehr überrascht war. „Du musst halt einfach bauen und probieren“, verrät der Tüftler sein Erfolgsrezept und gibt im selben Atemzug ein ihn inspirierendes Zitat des großen US-amerikanischen Erfinders Thomas Alva Edison wieder: „Ich kenne 100 Wege wie man eine Glühbirne nicht herstellt.“

Seit 2011 sind die beiden Jungunternehmer mit ihrer eigenen Firma WOW – the Wooden Wheel Company in Arnoldstein beheimatet. Kein leichtes Unterfangen, denn alleine die Anschaffung der computergesteuerten Fräse beanspruchte das Budget ausgiebig. Um finanziell ausgelastet zu sein bietet die Firma auch Lohnfertigungen für Holz und Kunststoffmaterialien an.

Doch was ist nun so innovativ an einer Felge aus Holz? Schon vor über 100 Jahren kurvten Radsportler bei der Tour de France bekanntermaßen mit Holzfelgen herum. Aufgrund der mangelhaften Stabilität wurden hölzerne Laufräder allerdings in den 1960er Jahren von Aluminium-Rädern verdrängt.

Eine selbstheilende Felge?

Besonders in punkto Haltbarkeit hat WOW – the Wooden Wheel Company deshalb sehr viel Forschungsarbeit investiert. Durch die Verklebung mehrerer Holzschichten mit Leimbindern sind die neuen Holzfelgen äußerst schlagresistent. Überdies besitzt das Material Holz ein gutes Formgedächtnis. Bedeutet, dass sich Holz immer in seine ursprüngliche Form zurückbewegt, während zum Beispiel Metall nach seiner Verformung im selben Zustand verharrt. Ein großer Vorteil bei kleineren Knicken in der Felge. „Sozusagen eine Selbstheilung bei Achtern“, bemerkt Entwickler Wolfgang Kugi.

Im Bereich „Leichtigkeit“ stellen die Holzfelgen ihre Konkurrenz aus Alu schon länger in den Schatten und sind bereits nahe an Felgen aus Carbon dran. Ein Aspekt der für viele Radsportler immens wichtig ist, erklärt Kugi, der in diesem Punkt einiges an Überzeugungsarbeit leisten muss: „Bevor du die Holzfelge nicht selber in der Hand hast, glaubst du es einfach nicht.“

Mauersprung als Elch-Test

Außerdem verfügt Holz über besonders gute Dämpfungseigenschaften. Behindertensportler Klaus Dolleschal, dessen Rollstuhl bei der WM 2011 schon auf Holzfelgen rollte, gibt preis wie ihn der Naturstoff vollends überzeugt hat. Als er mit den hölzernen Rollstuhlfelgen erstmals über die Pflastersteine der Prager Altstadt rollte machte sich der hohe Fahrkomfort auf dem unruhigen Untergrund hochgradig bemerkbar. Den ultimativen Test bestanden die Holzfelgen aber erst als er mit seinem Rollstuhl einen Sprung von einer 50cm hohen Mauer wagte. „Ich habe gedacht, da bricht jetzt alles auseinander, doch seither weiß ich was die Holzfelgen alles aushalten“, schmunzelt der Profisportler über seinen persönlichen Elch-Test.

Bei Rollstuhlfelgen tritt eine weitere positive Eigenschaft zu Tage. Der schlechte Wärmeleiter Holz ist auch im Winter gut angreifbar und kalte Greifringe gehören der Vergangenheit an. Weitere Pluspunkte sammelt die Holzfelge durch ihre Individualität. Jede Felge imponiert durch ein einzigartiges optisches Erscheinungsbild. Außerdem ist die Anzahl der Naben und Speichen je nach Kundenwunsch frei wählbar. Auch die aktuell in der Mountainbike-Szene sehr beliebten 29er Felgen sind im Sortiment von  „WOW – the Wooden Wheel Company“ zu finden. Als Rohmaterialien fließen ausschließlich heimische Hölzer wie Birke, Esche oder Fichte in die Herstellung und der umweltschonende Aspekt im Vergleich zur Aluminiumproduktion bleibt hier ohne Erklärung für sich selbst stehen.

Holzfelgen von WOW sind auf der Homepage und im guten Fachhandel erhältlich. Preismäßig bewegen sich die laut Norm geprüften Holz-Laufräder im Segment teurer Alufelgen und sind billiger als Carbon-Felgen.