BLAU MIT WEISSEN BLUMEN

Veröffentlicht von: am 30. März 2012

Woher der Blaudruck kommt.

Einleitend muss gleich gesagt werden, dass der Begriff Blaudruck eigentlich irreführend ist, da mit dem Blau nicht gedruckt, sondern gefärbt wird.

Früher waren Blaudruckstoffe als Alltags- und Arbeitskleidung weit verbreitet. Heute ist die Färberei Koo im Burgenland eine der letzten in Europa wo Stoffe mit der Hand bedruckt und mit echtem natürlichen Indigo gefärbt werden.

„1921 wurde die Werkstätte von meinem Großvater gegründet. Den Betrieb habe ich vor einigen Jahren von meinem Vater übernommen und er wird heute von mir und meiner Frau geführt.“

Waren es früher hauptsächlich einfarbig blaue Stoffe die zu den traditionellen „Fiata und Schurz“ verarbeitet wurden, so werden heute  Tischtücher, Schürzen, Taschen, Hemden und vieles mehr hergestellt. Die Spezialität von Koo sind die Doppeldrucke, die auf Vorder- und Rückseite je ein anderes Muster aufweisen. Wäschewaschen war ja früher eine anstrengende Angelegenheit. So war es sehr nützlich, beide Seiten verwenden zu können. Die Doppeldrucke werden mit einer alten von Hand betriebenen Walzendruckmaschine hergestellt und im hauseigenen Laden zum Kauf angeboten.

Neben dem traditionellen Wissen ist es der Familie Koo auch Anliegen das Handwerk lebendig zu halten. Die Entwicklung neuer Model und Muster,  Kooperationen mit Modeschulen und jungen Designern werden als wichtiger und kreativer Bestandteil ihrer Arbeit gesehen. 2010 ist Koo daher auch von der Österreichischen UNESCO Kommission auf die Nationale Liste des immateriellen Kulturerbes in Österreich gesetzt worden.

Als Blaudruck bezeichnet man eine Reservedrucktechnik, bei der ein Muster mit Holzmodeln und mit Hilfe des Papps auf den Stoff aufgetragen,  und nach dem anschließenden Färben mit Indigo wieder ausgewaschen wird. So entsteht ein weißes Muster auf blauem Grund. Die meisten ihrer Model sind schon weit über 100 Jahre alt. Hans Joachim Frindte aus Thüringen ist einer der letzten, der das Handwerk des Modelmachens noch beherrscht. Von ihm werden ihre Model und Musterwalzen ständig restauriert und gegebenenfalls neu hergestellt. Die Zusammensetzung des Papps ist das gutgehütete Geheimnis des Blaudruckers. Es gibt nur wenige schriftliche Aufzeichnungen und es wird von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Gummiarabikum und Tonerde sind die Hauptbestandteile.

Nach dem Bedrucken müssen die Stoffe ca. drei Wochen trocknen, ehe es ans Färben geht. Etwa zehn Minuten bleibt der Stoff in der Küppe, bis er das erste Mal herausgezogen wird. Die Oxidation an der Luft bewirkt den Farbumschlag von Gelb über Grün zu Blau. Dieser Vorgang wird 8 bis 10 mal wiederholt, bis der gewünschte Blauton erreicht ist. Wasser, Indigo und Kalk sind die Hauptbestandteile der Küpe. Beim Färben dürfen die bedruckten Seiten nicht zusammenkleben. Mit einem Stock werden sie auseinander geschlagen. Das Sprichwort “jemanden grün und blau schlagen” hat hier wohl seine Wurzeln. Während des Verhängens an der Luft hat man als Färber ansonst nicht viel zu tun und kann daher auch ein wenig „blau machen“. Anschließend wird der Papp ausgewaschen und der Stoff im Freien getrocknet.

Blaumachen, in die Mangel nehmen, sein blaues Wunder erleben – der Blaudruck hat in unserer Umgangssprache seine Spuren hinterlassen.
In China, Indien und Ägypten lässt sich das Blaufärben mit Indigo (v.span., lat., griech.: indikón, das Indische) bis ins Altertum zurückverfolgen. In Indien wird auch der Ursprung des Blaudrucks vermutet, von wo er sich über den Orient bis hin nach Afrika ausbreitete. Eine Kindertunika aus dem 4. Jahrhundert, entdeckt in einem Grab in Achmim in Ägypten, gilt als einer der ältesten erhaltenen Blaudruckstoffe. Marco Polo brachte im 13. Jahrhundert den Indigo von seinen Reisen in den Orient nach Europa mit. Schlangenbisse, Hautentzündungen und Zahnschmerzen wurden in Japan mit Indigo behandelt. Auch gegen das Grauwerden der Haare und das zu rasche Altern sollten die Indigosamen helfen. In Mitteleuropa wurde zum Blaufärben der heimische Färberwaid verwendet, dessen Hauptanbaugebiet in Thüringen lag. Aufgrund der großen Distanz und des hohen Preises war Indigo lange Zeit keine Konkurrenz zum Waid. Um ihren Meister zu erlangen mussten die Blaudruckgesellen drei Jahre lang auf die Walz gehen, und der Blaudruck verbreitete sich rasch in ganz Mitteleuropa. So erklärt sich auch die Ähnlichkeit der Modelmuster.

Beim mittelalterlichen Stoffdruck bediente man sich hölzerner Stempel und Model, mit denen das Öl oder in einer Verdickung gelöste Farbpigmente direkt auf den weißen oder eingefärbten Stoff aufgedruckt wurde. Die Muster der frühesten erhaltenen Drucke sind aus der Spätromantik und zeigen oft heraldische Motive. Ende des 14. Jahrhunderts erweiterte sich die Motivpalette auf Fabelwesen, architektonische Elemente und pflanzliche Ornamente.

Den größten Aufschwung erlebte der Blaudruck im 17. und 18. Jahrhundert. Wissenschaft und Forschung begannen sich für den Indigo zu interessieren, um 1880 gelang Adolf von Baeyer die Indigosynthese. Gefärbt wurde wie schon erwähnt mit dem in Europa bereits früh kultivierten deutschen Indigo. In Indien wurde der blaue Farbstoff aus dem Indigostrauch gewonnen, der viel farbkräftiger als der des Färberwaids ist, sodass dieser bald vom Indigo verdrängt wurde. Heute wird Indigo auch synthetisch erzeugt. Während der natürliche Indigo heute nur noch einen geringen Marktanteil besitzt, ist der künstliche Indigo ein wichtiger Farbstoff  für die von Levi Strauss im Jahre 1873 erfundene Jeans. In der Textilindustrie ist der synthetisch hergestellte Indigo als Küpenfarbstoff weit verbreitet und wird größtenteils zum Färben von Denim-Stoffen benötigt.

Im 16. Jahrhundert verlor der Zeugdruck durch das Aufblühen der wirtschaftlichen Macht des Bürgertums an Bedeutung. So hüllte sich selbst der einfachste Bauer in Samt und Seide und der Zeugdruck wurde zur „Arme-Leute-Kunst“. Mit zunehmender Industrialisierung und der Entdeckung der Indanthrenfarben ging der Blaudruck immer mehr zurück. Zu mühselig und aufwändig war die Herstellung und nur wenige Betriebe haben sich erhalten.

Koó ist einer davon.

Pleamle und der Blaudruck.

Der Blaudruck ist ein wichtiges Element in der alpenländischen Tracht. Hier wird er auf Baumwoll- bzw. Leinenstoff für Jacken, Röcke und Schürzen eingesetzt. Besonders kunstvoll gearbeitet sind Schürzen, die auf der Vorder- und Rückseite mit unterschiedlichen Mustern bedruckt sind.
Ganz anders bei PLEAMLE, hier finden wir die zarten Blümchen auf T-Shirt Materialien, Bademode und sogar Schuhen. Wie der Name Blaudruck schon sagt, bestimmen vorwiegend Blautöne die Kollektion. Von Indigo  bis Jeansblau, gebrochen durch Stroh-optik und zarte Blümchen auf weißem Hintergrund. Wanderer-Strohhut, blumenreich bedruckte Overalls, nostalgische Bademode, maritime Kleider, karierte Röcke oder Schnürschuhe im Dirndlstil kombinieren zeitgemäße und urbane Mode mit Tradition und einem Hauch  „Dolce Vita“.

Die PLEAMLE Sommerkollektion 2012 bietet also einmal mehr ganz unter dem Motto alpenländische Flower Power den perfekten Look  für einen Morgen am Berg, eine Nacht an einer italienischen Küste oder einen Tag in einer hitzigen Metropole.
Der Tradition verbunden, entstand in diesem Zusammenhang auch das erste Pleamle Blaudruck Dirndl.Angelehnt an das traditionelle Kärntner Dirndl aus reiner Baumwolle, das „alpenländische Mädchengwand“, soll es uns mit seinen traditionell angenähten Knöpfen in der Art des Hahnenfuß durch den kommenden Sommer begleiten und ein Statement zur Traditionserhaltung  und gegen die „Polyester-Barbie“- Trachtenverschnitte sein.