KÖNIG SKIFAHREN

Veröffentlicht von: am 30. September 2011

Wer hat’s erfunden?

Skifoan! Nicht nur in den heimischen Alpen, mittlerweile sprechen wir von einem weltweiten Phänomen, löst die Liebe zu den zwei Bretteln (manchmal reicht auch nur eines, Snowboard, oder gar eines auf einer Stelze, Skibob) unter den Füßen wahre Völkerwanderungen in die Bergwelt aus. Massen von Menschen lassen sich in dicken, meist der aktuellen Mode folgenden, wintertauglichen Bekleidungsformen (oft liebevoll „Pistenpanier“ genannt) auf Liftsesseln oder an Liftbügeln kauernd auf die Berge kutschieren, um dann mit schnittigem Schwung auf samtigen Pisten gen Tal zu gleiten. König Skifahren glänzt mittlerweile auch mit einem beachtlichen Variantenreichtum, finden sich doch sowohl für den sportlich und manchmal auch weniger sportlichen Freizeitsportler wie auch den Extremsportler zahlreiche Möglichkeiten.

Die Geschichte
Aber machen wir einen kurzen Blick in die Vergangenheit, wer hat denn das Skifahren erfunden? Dazu gibt es zwei interessante Ansätze (in Wahrheit gibt es ungefähr so viele Erfinder wie es Daunen im durchschnittlichen Anorak gibt, wir betrachten aber einmal die zwei gängigsten):

Einerseits wird Bauern aus Krain, Slowenien, nachgesagt, bereits im 17. Jahrhundert erste Schwünge in die Südhänge der Karawanken gesetzt zu haben, es ist sogar von slalomartigen Abfahrten die Rede! Gelernt sollen diese es wiederum von slawischen Einwandern aus dem russischen Norden haben.

Andererseits gilt das norwegische „Telemarken“ als Ursprung des Skifahrens. Wie der Name schon sagt (Telemark = Hofknicks des Skispringers bei der Landung) soll das Skifahren seinen Ursprung bei den norwegischen Skispringern haben, die, um den Wiederaufstieg nach dem Sprung so kurz wie möglich zu halten, den Stoppschwung perfektionierten und so auf das Skifahren kamen … kurios aber angeblich wahr! In Norwegen entwickelte sich schnell ein Volkssport, der sich dann zum Ende des 19. Jahrhunderts hin auch in Mitteleuropa mehr und mehr ausbreitete. Die ersten Alpenländler die Bretteln unter die Füße schnallten waren übrigens Förster, die in den Skiern optimale Arbeitswerkzeuge zur Erkundung ihrer in den Wintermantel gehüllten Wälder erkannten.

Es bleibt jedem selbst überlassen wer nun der Erfinder des Skifahrens ist. Die für mich charmantere Geschichte ist die mit den Bauern aus Krain, liegt die Gegend doch für viele Leser so nah und die Karawanken sind ja wohl mehr als bekannt.

Die Entwicklung
In den 1950er Jahren hat sich der Sport dann schön langsam zum Massen- und Volkssportphänomen entwickelt. Vor allem in Deutschland, der Schweiz und Österreich wurden erste Skiklubs gegründet. Als „Lehrmeister“ waren hauptsächlich skandinavische Studenten im Einsatz. Es wird berichtet, dass auf Grund des steileren Geländes der Alpen im Vergleich zur skandinavischen Hügellandschaft zunächst noch die Schwungtechnik weiter entwickelt werden musste. Hier gab es dann übrigens einen österreichischen Pionier namens Mathias Zdarsky aus Lilienfeld in Niederösterreich (ja genau, kein Tiroler!), dem die erste Bergabfahrt der Skigeschichte zugeschrieben wird. Darüber hinaus hat der Mann 1897 ein Buch namens „Lilienfelder Skilauf-Technik“ veröffentlicht, welches in der damaligen Zeit ein Standardwerk der Skilauflehre wurde. Zdarsky wird so auch der Stemmschwung zugeschrieben. Interessanterweise hat er auch selbst gebastelte, taillierte Ski gefahren, also bereits den Vorläufer des heutigen Carving-Skies im Einsatz gehabt – die Taillierung sorgt ja fast automatisch für den Schwung. Neben Zdarsky gilt auch noch der St. Antoner Anton Seelos als österreischischer Skipionier, ihm wird der klassische Parallelschwung zugeschrieben. Mit der Technik hat Seelos selbst bei Weltmeisterschaften in den 1930er Jahren triumphiert, später dann übrigens als Trainer der französischen Nationalmannschaft zu ungeahnten Höhenflügen verholfen.

Kaum zum Volkssport avanciert, wurde vor allem in Deutschland, der Schweiz und Österreich emsig an der massentauglichen Infrastruktur, vom Lift bis zur Aprés-Ski Hütte, gebaut. Die damals wie heute mondänen Hotspots wie Kitzbühel, St. Moritz, Garmisch Partenkirchen oder Cortina d’Ampezzo erlebten Höhenflüge und wurden von Touristen überschwemmt. Wenn in Kärnten davon erzählt wird, wie früher jedes Kind sein Zimmer räumen musste um noch ein paar Sommerurlauber unterbringen zu können, war dies in den traditionellen und großen Skigebieten im Winter der Fall. Der Skisport und -tourismus hat sich seither im gesamten Alpenraum zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor entwickelt, der so mancher Gegend das wohl gute Überleben sichert.

Neben den Alpen hat sich aber auch schnell in mehr oder weniger jeder gebirgigen Ecke der Welt das Skifahren breit gemacht. Ob in den Rocky Mountains oder dem Kaukasus, den Pyrenäen, Karpaten oder auch den australischen Alpen – überall wird gecarvt und gebrettelt! Sogar im iranischen Elbrusgebirge oder im Libanon gibt’s bereits die ersten Lifte.

Wichtig war und ist auch die gezielte Förderung des Skisports in den heimischen Schulen. Ein, zwei Schulskiwochen hat jeder in seiner Schullaufbahn erlebt, in guten und weniger guten Herbergen, mit manchmal guter und weniger guter Verköstigung, immer aber ein kleines Abenteuer und fast sowas wie Ferien. Sicherlich hat diese schulische Förderung des Sportes auch einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Sportes, auf allen Ebenen.

Der Skizirkus
Wo Volkssport draufsteht ist natürlich auch Wettbewerb drinnen. Der Skizirkus der FIS (Féderation International dé Ski) macht seine Stationen rund um den Erdball, schickt seine Athleten im Slalomlauf durch Fahnenstangenwälder oder jagt sie in der Abfahrt die steilsten Berghänge hinunter. Begleitet von einem beachtlichen Medientross, werden die Rennen im Wochenendrhythmus weltweit übertragen und sorgen so für eine ständige (zumindest im Winter) Präsenz des Sportes in den Wohnzimmern und Kneipen. Apropos Kneipe: Der Skizirkus und die Performance der heimischen Athleten gehört sicher zu den meistdiskutierten Themen an den heimischen Stammtischen. Da ja fast jeder Skilaufen kann, ist auch beinahe jeder der beste Trainer und weiß, wie‘s geht.

Aber zurück zum Skizirkus. Die ständige Präsenz hat nicht nur Auswirkungen auf den Sport an sich, sondern ist natürlich auch eine perfekte Werbeplattform für die Stationen, also die gastgebenden Wintersportorte des FIS-Skizirkuses. So haben es Bad Kleinkirchheim, St. Anton oder Schladming zu einer hohen internationalen Bekanntheit gebracht. Neben dem FIS-Skizirkus gibt es auch alle zwei Jahre eine Weltmeisterschaft. Ist an sich wie der Weltcup, nur werden die Athletinnen und Athleten in wenigen Tagen durch alle erdenklichen Disziplinen gejagt um jeweils die Weltbeste oder den Weltbesten zu küren. Die Weltmeisterschaft darf immer ein anderer Ort austragen, wobei alle paar Jahre österreichische Ortschaften zum Zug kommen.

Die WM in Österreich
2013 wird das steirische Schladming wieder Austragunsgort der FIS Ski-WM sein, wie übrigens auch schon 1982 als „unser“ Harti Weirather die Abfahrt für sich entscheiden konnte und damit für die Ehrenrettung Österreichs bei der WM sorgte, es blieb nämlich bei nur einem „Gold“. Harti aber wurde zum Helden und Schladming zum Inbegriff eines Wintersportortes. Seit vielen Jahren macht Schladming auch mit wohl einem der beeindruckensten Rennen im Zuge des Ski-Zirkuses von sich reden: dem Nachtslalomrennen der Herren! Zuschauermassen um die 30 Tausend drängen sich an die Piste wenn die Slalomkünstler den Stangenwald bewältigen. Wenn dann auch noch ein Österreicher den obersten Stockerlplatz erklimmen kann, geht die Post ab wie es die Skiwelt selten sieht – Hut ab! Weil aber die Steirer bzw. wir Österreicher so faire Sportsmänner sind, geht natürlich auch die Post ab wenn wieder einmal ein Schweizer oder Norweger gewinnt – aber halt nicht ganz so. Man kann sich auf alle Fälle schon auf eine Veranstaltung der Spitzenklasse freuen, wenn die geübten Schladminger 2013 eine Organisationsperformance der Sonderklasse an den Tag legen werden. Man kann nur sagen: Auf nach Schladming 2013!

Wie aber schon erwähnt wird nicht nur bei uns Skigefahren und  „Aprés-Skiiert“. Wir haben uns ein wenig umgesehen und ein paar Perlen an Wintersportorten entdeckt, die wir im Artikel „Cold Spots“ kurz vorstellen. Da müsste man fast überall einmal hin …