EIN KUFENSTAR AUS DER PROVINZ

Veröffentlicht von: am 30. September 2011

Vom blau-weißen Talent zum schnellsten Spieler der NHL.

14,06 Sekunden für eine Runde im Eisoval. In diesem Durchgang, an diesem Abend, in diesem Jahr die absolut schnellste Zeit. Die Eishockey-Welt sieht zu, wie ein junger Österreicher allen Stars davonläuft und im „Fastest Skater“-Bewerb des NHL-All-Star-Games beweist, wer denn aktuell der schnellste Eisläufer der Liga ist. Mit diesem einen Lauf sprintet sich Michael Grabner Ende Jänner 2011 endgültig ins Rampenlicht des nordamerikanischen Profisports. Als schnellster Eisläufer der schnellsten Liga im schnellsten Mannschaftssport der Welt.

Speed-Show des Österreichers

Ein rasanter Endspurt in einem Marathon, den er als 5-jähriger in Villach begonnen hat und der ihn durch viele Stationen quer über die Nordhalbkugel, über schier endlose Trainingscamps, über Misserfolge und Rückschläge führte, um an diesem einen Abend schließlich in dem Erfolg zu gipfeln, auf den er so lange hingearbeitet hat. „Eishockey hat von klein auf eine sehr große Rolle in meinem Leben gespielt, von der Schule direkt aufs Eis und das dann bis zu fünf Stunden spielen und trainieren, so war mein Tagesablauf.“ schwärmt er noch heute von seiner frühen Faszination für den Sport. Eine Faszination, die ihn bis heute nicht verlassen hat. Und jetzt, knapp 19 Jahre später, ist er der „Fastest Skater“ und als einziges Mitglied seiner Mannschaft, dem vierfachen Stanley-Cup-Gewinner New York Islanders, ein All-Star. Einer von nur 54 Spielern die als Repräsentanten der besten Liga der Welt für ein Wochenende versammelt werden, um den Fans eine ganz spezielle Show zu liefern. Und die Speed-Show des Eishockey-Exoten aus Österreich lässt an diesem Abend die Zuschauer in der RBC-Arena ganz besonders jubeln.

„Peter Raffl, „Fuzzy“ Petrik und Ken Strong haben meine Begeisterung für‘s Eishockey geweckt.“

Für den talentierten Stürmer aus der Kärntner Provinz war es ein besonders weiter Weg vom Eis der Stadthalle Villach auf den roten Teppich nach Raleigh (North Carolina), zum Treffen der besten Eishockeyspieler der Welt. In Kärnten – wo man Erfolge im Nationalsport Fußball nur vom Hörensagen kennt – kommt man als Jugendlicher zwangsläufig mit der Alternative Eishockey in Kontakt. Als Villacher natürlich mit Hingabe für die blau-weißen Adler, dem Eishockeyteam des Villacher Sportvereins (VSV). Und genau da startet auch der junge Michael Grabner seine Karriere. „Für mich als junger Spieler waren gerade die Stars der erfolgreichen VSV-Mannschaften Anfang der 1990er als Vorbilder entscheidend. Idole wie Peter Raffl, „Fuzzy“ Petrik, oder Ken Strong haben meine Begeisterung fürs Eishockey geweckt und es machte einfach riesig Spaß für einen Traditionsverein zu spielen.“ Und so verbringt er das erste Jahrzehnt seiner Hockeykarriere in den verschiedenen Jugendmannschaften des VSV.

„In Nordamerika zu spielen hat mir entscheidend geholfen, dorthin zu gelangen, wo ich heute bin.“

Eishockey hat in Villach zwar Tradition und der Club gilt als erfolgreiche Nachwuchsschmiede, aber als Spieler mit Talent stößt man auch in der Draustadt schnell an die Grenzen des Systems und eine Ausbildung in einer stärkeren, ausländischen Liga ist für die Weiterentwicklung irgendwann unumgänglich. Bei Grabner heißt das mit 16 Jahren Abschiednehmen Richtung USA, in die stärkste Nachwuchsliga weltweit. Das Canadian Hockey League (CHL)-Team aus Spokane verpflichtet den talentierten Österreicher. „Ich habe meine Eltern schon sehr früh gefragt, ob ich in der Schweiz oder in Schweden mein Eishockey verbessern darf. Aber für sie hatte die Schulausbildung Vorrang und erst nach dem letzten Pflichtschuljahr durfte ich dann endlich weg. Der damalige VSV-Trainer Greg Holst hat den Kontakt zu den Spokane Chiefs hergestellt und das hat schlussendlich auch meine Eltern überzeugt.“ Ein Entschluss, den die Grabners bis heute nicht bereut haben. „Die CHL ist eine sogenannte Semi-Pro-Liga wo sich die Spieler nach der Unterstufe komplett aufs Eishockey konzentrieren können. Die Möglichkeit drei, vier Jahre Nachwuchseishockey in Nordamerika zu spielen hat mir sicher entscheidend geholfen, dorthin zu gelangen, wo ich heute bin.“

Die erste große Bestätigung dieser Entscheidung erfolgt dann 2006. Nach zwei Jahren in der CHL wird Grabner’s Name beim NHL-Draft „gezogen“. Die NHL-Teams teilen sich dort – wie jedes Jahr – die Rechte an den besten Nachwuchsspielern auf und bei dem Österreicher greifen die Vancouver Canucks gleich an der hervorragenden vierzehnten Stelle zu.

„Mein erstes Heimspiel im Canucks-Trikot war ein unglaublich emotionaler Moment.“

Damit wird er mit einem Schlag zum großen Hoffnungsträger für eines der traditionsreichsten Teams der Liga. „Von einem kanadischen Team gezogen zu werden war natürlich großartig. In der NHL sind nur 7 von 30 Teams in Kanada beheimatet und dementsprechend groß ist dadurch natürlich auch die Unterstützung durch die Fans im Mutterland des Eishockeysports. In Vancouver sind seit mehr als sieben Jahren alle Heimspiele (Anm. d. Red.: 18.630 Zuschauer) ausverkauft und Saisonkarten werden über Generationen weiter vererbt. Mein erstes Heimspiel im Canucks-Trikot war dann auch ein unglaublich emotionaler Moment für mich!“ schwärmt er heute noch von dem Club, für den er in Folge insgesamt 20 NHL-Spiele absolvieren durfte. Bevor er jedoch das erste Mal NHL-Eis betreten darf, muss er sich drei weitere Jahre in Spokane und beim Canucks-Farmteam in Manitoba beweisen. Eine erfolgreiche, aber auch sehr harte Zeit, in der er allerdings seinen Ruf als Torjäger und blitzschneller Eisläufer festigen kann. Gerade in Manitoba spielt sich „Grabs“ – wie ihn die Fans mittlerweile nennen – in die Herzen der Anhängerschaft. „Die Zeit in Manitboa wird sicherlich unvergesslich für mich bleiben. Ein kanadisches Team mit einer sehr großen Fanbasis. Gerade in dem Jahr wo wir bis ins Finale gekommen sind (2008/09 Anm. d. Red.), war die Begeisterung in der ganzen Stadt spürbar. Ich hatte eine tolle Zeit mit der Mannschaft und es war eine außergewöhnliche Erfahrung auf so einer Welle der Begeisterung bis in den Juni hinein Eishockey spielen zu dürfen.“

Vancouver – Sunrise – New York in nur einem Sommer

Mit dem Rückenwind der Erfolge aus Manitoba kann sich Grabner schließlich auch einen Stock höher – bei den Canucks – etablieren und ohne Verletzungspech wären es sicherlich noch einige Spiele mehr im Vancouver-Trikot geworden. Aber die Teamverantwortlichen haben andere Pläne und so wird Grabner zur wertvollen Transferaktie und zum Ligakonkurrenten nach Sunrise, Florida getauscht. Ein Wechsel, der sich sehr schnell als Einbahn für den Villacher erweist. Grabner – der fast traditionell mühevoll in die ersten Spiele startet – entspricht schon in den Vorbereitunsspielen nicht den Ansprüchen der Panthers und wird ins Farmteam abgeschoben. Vom hoffnungsvollen Talent zum Zweitligaspieler – und das in nur einem Sommer? Die Erfolgsgeschichte scheint hier ein abruptes Ende zu nehmen.

15 Millionen Dollar für den neuen Hoffnungsträger

Aber der Villacher hat diesmal auch das nötige Glück. Die New York Islanders nutzen das komplizierte NHL-Regelwerk und lotsen Grabner in einer Nacht und Nebel-Aktion in den Big Apple. Und auf Long Island gelingt ihm der endgültige Durchbruch. Die Bilanz seiner ersten Saison (2010/11 Anm. d. Red.) im Trikot der „Isles“ kann sich mehr als sehen lassen: 34 Tore, 18 Assists, der „Fastest Skater Award“ beim All-Star-Game und die Nominierung zum besten Neuling der Liga. Außergewöhnliche Erfolge, die ihm die Team-Verantwortlichen im Sommer auch mit einem neuen Vertrag vergoldet haben. Für die kommenden Jahre überweisen die New Yorker ihrem neuen Hoffnungsträger 15 Millionen Dollar. Die Islanders basteln eifrig an einer jungen, hungrigen Mannschaft und der Spieler mit der Rückennummer 40 ist für eine erfolgreiche Zukunft fest eingeplant. „Ich habe für fünf Jahre unterschrieben und hoffe, dass wir ganz schnell wieder in die Play-Offs kommen. Wir sind eine sehr junge Mannschaft, die heuer viel Erfahrung sammeln konnte und ich glaube, wir können hier etwas richtig Gutes aufbauen. Ab Dezember haben wir ja schon in der abgelaufenen Saison bewiesen, welches Potential in der Mannschaft steckt und wenn wir daran anknüpfen können, sind wir sicher auf einem sehr erfolgreichen Weg“, schmiedet Grabner bereits große Pläne für seine Zukunft in der Glitzermetropole am Hudson.

Einer von nur drei Österreichern

Wenn man ihm zuhört scheint es klar, dass da jemand endgültig unter seinesgleichen angekommen ist – den talentiertesten und besten Eishockeyspielern der Welt. In der aktuellen Saison sogar als einer von nur drei Österreichern. Denn mit dem Steirer Thomas Vanek bei den Buffalo Sabres und dem gebürtigen Wiener Andreas Nödl im Trikot der Philadelphia Flyers werden in der Saison 2011/12 noch zwei weitere Österreicher in der stärksten Liga der Welt auf Puckjagd gehen.

Wie sehr Grabner mittlerweile zu den Großen seines Sports zählt, zeigt auch die Beliebtheit bei den Fans, mit der er höchst professionell umzugehen versteht. Seinem Spielstil entsprechend hat er sich ein angemessen schnelles Medium zur Kommunikation gesucht.: @grabs40 ist mittlerweile eines der meistverfolgten NHL-Spieler-Profile auf Twitter. Hinter dem Kürzel aus Spitzname und Rückennummer verbirgt sich Grabner selbst und berichtet seinen – mittlerweile über 28.000 – Abonnenten Tag für Tag Interessantes aus seinem Leben. „Ein Freund hat mir Twitter im letzten Jahr kurz vor Saisonstart erstmals gezeigt. Es hat mich irgendwie sofort fasziniert, obwohl ich anfangs nicht so recht gewusst habe, wie ich es verwenden soll. Den Fans hat es aber gleich gefallen, und auch mir hat es sehr schnell Spaß gemacht. Ich habe eigentlich keine genaue Strategie und mache das Ganze sehr spontan. Wenn mir irgendwas interessant vorkommt, das sich in einem kurzen Tweet erzählen lässt und ich finde Zeit, wird’s gepostet und die Leute nehmen es eigentlich immer sehr gut auf. Es ist einfach eine tolle Möglichkeit die Fans auf dem Laufenden zu halten, egal ob übers Privatleben oder meine sportlichen Aktivitäten.“ Twitter erlaubt einen ganz privaten Blick ins Leben des NHL-Profis und so verrät @grabs40 nicht nur erstmals den Kabinen-Spitznamen von Team-Kollege Kyle „Harry Potter“ Okposo, oder bittet seine Fans auf Auswärtsreisen um Restaurant-Tipps in der Umgebung, sondern berichtet auch ausführlich von der langen Wartezeit während der Geburt seines ersten Kindes. Und so wird dann ganz schnell eine Couch in einem New Yorker Krankenhaus zum Fotomotiv und die Islanders-Fans sehen „live“ wo ihr schnellster Spieler gerade nervös auf die langsame Ankunft seines Sohnes wartet. „Ich habe kein Problem damit, dass die Leute über mein Privatleben Bescheid wissen, wenn mir danach ist, tweete ich. Meine Familie hat auch nichts dagegen, dass ich sie erwähne und es gibt ja immer noch jede Menge private Dinge, die ich nicht verrate. Es macht einfach Spaß. Twitter ist schnell und spontan und passt so perfekt zu mir.“

Sein Wunsch: „Der Stanley-Cup kommt nach Villach.“

Bleibt nur zu hoffen, dass er auch sein Wunschtweet so schnell wie möglich verfassen kann: „Der Stanley Cup kommt nach Villach“. Es wäre @grabs40 zu wünschen und bei allem was er bisher erreicht hat, scheint selbst der Gewinn der größten Trophäe im weltweiten Eishockey nicht mehr unvorstellbar.

 

MICHAEL GRABNER


Der Villacher feiert mit 16 Jahren sein Debüt in der Kampfmannschaft des VSV und kann in der Finalserie gegen den KAC seinen ersten Bundesligatreffer erzielen. In der darauffolgenden Saison wechselt er zu den Spokane Chiefs in die Canadian Hockey League. Mit insgesamt 88 Toren und 41 Assists in 180 Spielen zählt er zu den Topscorern der Liga und wird 2006 von den Vancouver Canucks unter Vertrag genommen. Von 2006 bis 2010 absolviert er 180 Spiele für die Manitoba Moose, dem Farmteam der Canucks, und feiert im Oktober 2009 seine NHL-Premiere für das Team aus Vancouver. Vor der Saison 2010/11 wird er zu den Florida Panthers getauscht aber noch vor dem Saisonstart an die New York Islanders weitergegeben. Im Trikot der Islanders sammelt er 34 Tore und 18 Assistpunkte und wird als bester Neuling der NHL (Rookie Of The Year) nominiert. Der 23-jährige Stürmer lebt mit Freundin Heather auf Long Island und hat einen Sohn.

Geboren: 5. Oktober 1987 in Villach
Stammverein: Villacher Sportverein
Aktueller Verein: New York Islanders
Rückennummer: 40
Position: Linker Flügel
Familie: Sohn Aiden Johann (1)

Bisherige Karriere:
2003-2004 – EC VSV (AUT) – 14 Spiele, 1 Tor, 1 Assist
2004-2007 – Spokane Chiefs (USA) – 180 Spiele, 88 Tore, 41 Assists
2007-2010 – Manitoba Moose (CAN) – 180 Spiele, 68 Tore, 52 Assists
2009-2010 – Vancouver Canucks (CAN) – 20 Spiele, 5 Tore, 6 Assists
2010-2011 – New York Islanders (USA) – 76 Spiele, 34 Tore, 18 Assists

Weitere Österreicher in der NHL:

THOMAS VANEK


Mit 14 Jahren wechselt der Grazer nach Nordamerika. Über Nachwuchsteams in Kanada und den USA gelingt es ihm 2002 ein Eishockeystipendium an der traditionsreichen University of Minnesota zu erlangen. Nach zwei herausragenden Saisonen für die „Gophers“ wird er im NHL-Draft 2003 von den Buffalo Sabres als Nummer 5 gezogen und ein Jahr später unter Vertrag genommen. Vanek ist der aktuell erfolgreichste Österreicher in der NHL. In sechs Saisonen für die Sabres hat er bisher 204 Tore und 182 Assistpunkte gesammelt. Der 26-jährige Stürmer ist verheiratet und hat drei Söhne.

Geboren: 19. Jänner 1984 in Baden bei Wien
Stammverein: EK Zell am See
Aktueller Verein: Buffalo Sabres
Rückennummer: 26
Position: Linker Flügel
Familie: verheiratet mit Ashley, Blake Thomas (3), Luka Robert (1), Kade Ashton (1)

Bisherige Karriere:
1998/1999 – Lacoka Wolves (CAN) – 40 Spiele, 76 Tore, 36 Assists
1999-2000 – Rochester Jr. Americans (USA) – 14 Spiele, 6 Tore, 4 Assists
1999-2002 – Sioux Falls Stampede (USA) – 108 Spiele, 80 Tore, 73 Assists
2002-2004 – Minnesota Golden Gophers (USA) – 83 Spiele, 57 Tore, 56 Assists
2004 -2005 – Rochester Americans (USA) – 74 Spiele, 42 Tore, 26 Assists
2005-2011 – Buffalo Sabres (USA) – 469 Spiele, 204 Tore, 182 Assists

ANDREAS NÖDL


Über Vermittlung von Thomas Vanek kommt Nödl 2004 zu den Sioux Falls Stampede. Nach einer schwierigen ersten Saison führt er das High-School-Team im Jahr darauf ins Liga-Finale und sichert sich ein College-Stipendium an der St. Cloud State University. 2006 wird er von den Philadelphia Flyers an der 39. Position im NHL-Draft gezogen. Nach zwei Saisonen am College wird er zum Farmteam der Flyers geschickt und absolviert in Folge 107 Spiele für die Phantoms. Parallel dazu feiert er 2009 seine NHL-Premiere und hat seit dem in 115 Spielen 12 Tore und 15 Assistpunkte gesammelt.

Geboren: 28. Feber 1987 in Wien
Stammverein: Wiener Eislöwen Verein
Aktueller Verein: Philadelphia Flyers
Rückennummer: 14
Position: Rechter Flügel

Bisherige Karriere:
2004-2006 – Sioux Falls Stampede (USA) – 102 Spiele, 36 Tore, 39 Assists
2006-2008 – St. Cloud State Huskies (USA) – 80 Spiele, 36 Tore, 54 Assists
2007-2010 – Philadelphia/Adirondack Phantoms (USA) – 107 Spiele, 21 Tore, 34 Assists
2008-2011 – Philadelphia Flyers (USA) – 115 Spiele, 12 Tore, 15 Assists

 

Externe Links:
www.grabs40.com
www.thomasvanek.at
www.THEFANBLOG.at