ON THE ROAD TO HAPPINESS

Veröffentlicht von: am 5. März 2011

Als die Wespe fliegen lernte.

Was fällt uns ein wenn wir an Italien denken – Urlaub und Strand, Federico Fellini vielleicht und natürlich riecht es nach Wein, nach Meer, frisch gefangenem Fisch, stets begleitet vom Duft italienischer Gaumenfreuden. Die Städte mit ihren Cafés und kleinen Vinotheken haben ihr persönliches kleines Dolce Vita. In Rom, dessen Gassen oft kaum breiter sind als zwei ausgestreckte Arme, glänzt das Kopfsteinpflaster verschwitzt, als habe sich die Stadt nachts in einem Traum gewälzt. Und da hört man es schon, das vertraute Knattern eines Zweitakters, welcher mehr über Italien erzählen kann als so manches Geschichtsbuch – die Vespa.

Angeblich soll ja der Schöpfer Italien nach den Skizzen Michaelangelo´s erschaffen haben, vermutet zumindest Mark Twain, und möglicherweise hatte er auch hier seine Finger im Spiel. Die Times schrieb bei Ihrer Geburt: „Ein vollkommenes italienisches Produkt, wie wir es seit dem römischen Streitwagen nicht mehr gesehen haben“.
Doch um bei besagter Geburt dabei sein zu wollen, müssen wir dem Stern folgen und mehr als sechzig Jahre zurück in die Vergangenheit reisen und zwar in den kleinen Ort Pontedera. Die im Krieg schwer beschädigten Piaggio Flugzeugwerke wurden vom Sohn Enrico übernommen, der ihnen neues Leben einzuhauchen versuchte. Enrico Piaggio war fest entschlossen, ein billiges Produkt für die breite Masse zu schaffen, und als sich der Krieg seinem Ende näherte untersuchte Enrico sämtliche Möglichkeiten, um die Produktion in seinen Werken wieder auf die Beine zu stellen. Das Ergebnis war der als MP5 bekannte Prototyp der Vespa. Dieser erhielt aufgrund seiner gewöhnungsbedürftigen Form den Spitznamen „Paperino“ (Entchen). Enrico Piaggio mochte das Gefährt jedoch nicht und ersuchte Corradino D’Ascanio um eine Neukonstruktion. Unterstützt von seinem Designer Mario D’Este benötigte Corradino D’Ascanio für die ersten Skizzen der Vespa, die im April 1946 in Pontedera erstmals das Werk verließen, lediglich ein paar Tage. Getauft wurde es von Enrico Piaggio selbst, der beim Anblick des Prototyps M6 mit seinem breiten Mittelteil und seiner schmalen Taille ausrief: „Es sieht wie eine Wespe aus!“. So wurde aus dem hässlichen Entlein eine italienische Prinzessin mit Wespentaille!

Das erste Mal weltweit Summen hörte man die kleine Vespa in dem Film, der als Vorreiter aller modernen romantischen Komödien bekannt wurde: „Ein Herz und eine Krone“ mit Audrey Hepburn und Gregory Peck. Die Spritztour der beiden durch Rom auf einer weißen Vespa sorgte für einen wahren Hype um den Roller, und das weltweit! Doch nicht nur in der Film-, auch in der Comicwelt waren Helden wie Tim & Struppi auf der Vespa hinter Schurken und Verbrechern her.
Das Neueste aus Film und Fernsehen ist gerade in Österreich im Entstehen. Der in Graz geborene Jörg Krasser wechselte nach Jahren des Extremradsports und unzähligen Bergbesteigungen auf der ganzen Welt hinter die Kamera und nennt sich selbst Videojournalist (Fernsehen aus dem Rucksack). Er beliefert diverse TV-Sender und arbeitet an seinem eigenen Projekt „Mythos Vespa“,  einem Kinofilm in dem er den Protagonisten Gernot Sohar auf einer Reise durch die Welt der Vespa begleitet. Seine Fahrt führt ihn durch Österreich, Italien und England, wo er alle Facetten der Vespa berührt, von der Mode, über die Musik bis hin zum Lifestyle. (www.jokra-vision.com)

Doch nicht nur in Film und Fernsehen spielte sie oft die Hauptrolle, die Vespa, sondern auch im Rennsport, ob auf der Straße oder im Gelände, machte sie eine gute Figur.
1952 baute der Franzose Georges Monneret für das Rennen London-Paris eine „Amphibien-Vespa“ und überquerte damit  den Ärmelkanal. Enrico Piaggio baute eine Vespa mit 125 cm³ und stellte mit durchschnittlich 171,1 km/h einen neuen Weltrekord auf einen fliegenden Kilometer auf. Eine Vespa PX200 trug seinen Piloten bei der zweiten Rally Paris-Dakar über die Ziellinie!

Die Vespa macht aber bei ziemlich jeder Verrücktheit mit, so fuhr zum Beispiel der italienische Student Giancarlo Tironi auf einer Vespa zum Polarkreis. Santiago Guillen und Antonio Veciana ließen sich von einer Vespa von Madrid nach Athen tragen, der Australier Geoff Dean unternahm mit der Vespa eine Reise rund um die Welt.  Doch der größte Abenteurer unter ihnen war wohl der Autor und Journalist Giorgio Bettinelli. Im Juli 1992 verließ der Autor und Journalist auf einer Vespa Rom und erreichte im März Saigon. Danach fuhr er auf einer Vespa von Alaska nach Feuerland. Er reiste auch von Melbourne nach Kapstadt.1997 brach er von Chile aus auf und durchquerte neunzig Länder in Amerika, Sibirien, Europa, Afrika, Asien und Ozeanien. Insgesamt hat Bettinelli 250.000 km auf einer Vespa verbracht! Seine letzte Reise trat Bettinelli Richtung China an, auf der er viel zu früh verstarb. Das österreichische Pendant zu Giorgio Bettinelli heisst Oskar Spang. Der ließ unter anderem mit Büchern wie „Der Rasende Reporter“ oder „ Meine Leica, meine Vespa, mein Leben“ aufhorchen.

Endlose Straßen, den Wind im Gesicht und den Wohlklang des Motors im Ohr – Vespa  steht für Fahrspaß pur und ein ganz besonderes Lebensgefühl. Für jene, die auf den Spuren von Bettinelli oder Audrey und Gregory wandeln möchten und die Welt auf zwei Rädern erkunden wollen, jedoch keine Vespa ihr Eigen nennen, gibt es mittlerweile in jeder größeren Stadt einen Vespaverleih und sogar All-Inklusiv Vespa-Urlaube. Stellt euch vor: keine stickige Metro in Paris, keine verstopften Straßen in Italien – mit der wendigen Italienerin umkurvt man elegant die anderen Verkehrsteilnehmer und bleibt direkt vor dem Cafe stehen, trinkt seinen Espresso, schnappt sich seine Beifahrerin und düst einfach weiter. Es gibt wohl nichts Schöneres auf Erden, als auf einer Vespa durch die Stadt zu fliegen, durch enge Gassen zu brausen und den Fahrtwind zu spüren, das Umland zu erkunden, abseits der Straßen zu Orten, die wir mit dem Auto nicht erreichen könnten… 
on the road to happiness!
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