GOLDENE ZEITEN

Veröffentlicht von: am 2. März 2011

Vom Bergbau in 
den Hohen Tauern.

Wenn man heute im Nationalpark Hohe Tauern über die idyllischen Almenmatten und Wanderwege spaziert, so kann man sich kaum vorstellen, dass hier über Jahrhunderte ein wirtschaftliches Zentrum von überregionaler Bedeutung lag. Zahlreiche Ortsbezeichnungen weisen auf den einst so wichtigen Wirtschaftszweig in den Hohen Tauern hin, wie zum Beispiel „Goldzechkopf“ und „Alter Pocher“ bei Heiligenblut.

2.000 Jahre Bergbaugeschichte
Mehr als 2.000 Jahre lang wurden die versteckten Schätze der Berge unter größten Anstrengungen gesucht und gehoben. Bereits in der Bronzezeit (ca. 1.800 v. Chr.) wurde im Pinzgau Kupfer abgebaut, die Römer prägten Goldmünzen und Barren aus Norischem Gold, wie Funde am Magdalensberg beweisen. Im Mittelalter waren es dann geheimnisvolle Menschen aus dem Süden, die sich auf die Suche nach verborgenen Mineralien und Erzen machten, um diese als Zuschlagstoffe für die Glasindustrie in Venedig zu gewinnen. Diese frühen „Prospektoren“, wie man fachkundige Rohstoffsucher nennt, wurden als „Venedigermanndln“ bezeichnet und lieferten Stoff für etliche alpenländische Sagen. Und dass eine ganze Gebirgsgruppe in den Hohen Tauern „Venediger“ heißt, scheint in diesem Zusammenhang auch kein Zufall zu sein.
Waffen, Werkzeug und Geschmeide
Die Lust auf Gold und edle Gesteine sowie der Bedarf an Metallen zur Herstellung von Waffen und Werkzeug waren die Motoren für die schwere und gefährliche Bergbautätigkeit in den wilden Bergen. Was sonst könnte wohl Menschen bewegen, sich in solch lebensfeindliche Regionen zu begeben? Das Norische Eisen, welches nicht in den Tauern sondern wahrscheinlich bei Hüttenberg abgebaut wurde, war von immenser Bedeutung für die Militärmacht der Römer, doch Gold und Kristalle aus den Hohen Tauern zierten vermutlich so manch edle Dame reicher Familien. Der römische Geschichtsschreiber Plinius zählte die Bergkristalle aus den Alpen zu den schönsten in Europa. Historiker vermuten, dass die Bergleute, welche das Gold der Hohen Tauern ausbeuteten, quasi als Nebenprodukt ebendiese Bergkristalle weiterverkauften – bestimmt ein nettes Zubrot, auch für die damalige Zeit. Als das römische Reich zerfiel und slawische Stämme in die Alpen vordrangen, kam der Bergbau in den Hohen Tauern erstmals zum Erliegen.

Grafen, Bischöfe und Fürsten
Erst im 8. Jahrhundert nach Christus wurde das Interesse an den Schätzen der Tauern wieder geweckt. Glücklich schätzten sich die Grafen von Görz als Kärntner Landesfürsten und der Salzburger Erzbischof auf Salzburger Seite, da ihnen die Schürfrechte für edle Metalle oblagen. Ab dem 15. Jahrhundert übernahmen die Habsburger auf Kärntner Seite das Sagen und fortan waren nun ihnen die sogenannten „Gewerken“ als freie Betreiber der Bergbaue Untertan, die ihnen hohe Abgaben zu leisten hatten und somit zum wirtschaftlichen Reichtum der Herrscher beitrugen. Wie wichtig der Bergbau in den Hohen Tauern war, zeigt sich auch darin, dass damals in Obervellach eine Bergbaubehörde, ein sogenanntes „Oberbergmeister- und Frohnamt“ eingerichtet war, das für alle „innerösterreichischen“ Bergbaue, also sämtliche Gruben in Kärnten, der Steiermark und Krain, verantwortlich war.
Rohstoff für politische Schachzüge
Nach wie vor war Gold der wichtigste Rohstoff, der in den Tauern abgebaut wurde, daneben gab es bedeutende Bergbaue auf Silber, auf Eisen und auf Kupfer. Ein interessantes Nebenprodukt jener Zeit war Arsen, das zunächst bei der Verhüttung der Erze gewonnen wurde und als „Hittrach“, also „Hüttenrauch“ bezeichnet wurde. Die in Frankreich gebräuchliche Bezeichnung „Erbschaftspulver“ lässt erahnen, welche Verwendung das in immer größeren Mengen hergestellte Pulver neben medizinischen und alchimistischen Zwecken, vor allem im politischen Ränkespiel der damaligen Zeit fand. Auch als Aufputschmittel für Mensch und Tier wurde Arsen gerne eingesetzt und letztlich war es von großer Bedeutung für die Glaserzeugung.
Nicht alle giftigen Substanzen konnten für ähnlich gewinnbringende Zwecke gewonnen werden und fanden ihren Weg über Abgase und Abwässer in die Natur. Saurer Regen, Vergiftung von Boden und Grundwasser sowie die rücksichtslose Abholzung der Wälder zwecks Befeuerung der Schmelzöfen waren die Folge des intensiven Bergbaugeschehens und führten zu einer Verödung ganzer Landstriche. Erste Überlegungen zum Schutz der Umwelt wurden angestellt und so wurde beispielsweise die Verhüttung der Arsenerze per Gesetz auf die kalte Jahreszeit begrenzt.

Wie gewonnen so zerronnen
Zurück zum Gold: zum Höhepunkt des Goldrausches in den Tauern wurden hier an die zehn Prozent der Gold-Weltproduktion gewonnen! Im Rekordjahr 1557 wurden in den Rauriser Bergbaurevieren über 800 Kilogramm des edlen Metalls abgebaut, was einem heutigen Gegenwert von mehr als 15 Millionen Euro entspräche.
Doch damals wie heute bekam die heimische Wirtschaft die Folgen der Globalisierung zu spüren: mit der Entdeckung Amerikas und der Ausbeutung der dortigen Goldvorräte und Plünderung der Schätze der ansässigen Bevölkerung kam es zu einem gewaltigen Verfall des Goldpreises. Zudem verschlechterte sich das bis damals recht milde Klima in den Alpen: die Winter wurden härter und die Gletscher in den hochalpinen Regionen der Tauern begannen rasant vorzustoßen. Viele hochgelegene Stollen wie etwa im Bereich des Pasterzen-Gletschers oder am Kloben westlich des Hochtors mussten deswegen aufgegeben werden. Im Zuge der Gegenreformation kam es im 16. Jahrhundert schließlich zu einem regelrechten „brain-drain“ als die meist protestantischen Bergleute mitsamt ihrem Fachwissen aus der Gegend vertrieben wurden. Von da an ging es stetig bergab bis schließlich Mitte des 17. Jahrhunderts die Gruben endgültig zum Erliegen kamen. Einzelne kurze Phasen neuerlichen Abbaus von Erzen, wie beispielsweise Kupfer in der Fragant nahe Flattach im ersten Weltkrieg oder Gold in Gastein im zweiten, blieben ohne nachhaltigen Erfolg.

Heute wie schon immerdar
In den letzten Jahrzehnten war es still in den Bergen rund um Großglockner, Sonnblick und Co. Rohstoffe wurden in fernen Entwicklungsländern günstiger und im größeren Stil als in Europa abgebaut. Heute spielen wieder wirtschaftspolitische und strategische Notwendigkeiten in Kombination mit der alles vernetzenden Wissenschaft ihr ganz eigenes und überraschendes Spiel: Wenn uns nun auf einsamen Steigen wieder Geologen begegnen, die emsig Gesteinsproben sammeln, so hat das – wieder einmal – mit der steigenden Nachfrage nach edlen Metallen und den auf Höhenflügen befindlichen Rohstoffpreisen zu tun. Oder aber mit dem naturwissenschaftlichen Blick auf vergangene klimatische Bedingungen als Vergleich zur „hitzigen“ Debatte rund um die Klimaerwärmung. Aber das ist nun wirklich eine ganz andere Geschichte.

Externe Links und Buchempfehlungen:
www.goldgraeberdorf-heiligenblut.at
Wiesner, H. (1950): Geschichte des Kärntner Bergbaues. Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten. Klagenfurt
Krainer, K. (1994): Die Geologie der Hohen Tauern. Universitätsverlag Carinthia. Klagenfurt.
Beitragsband zur Kärntner Landesausstellung 1995. „Grubenhunt und Ofensau. Vom Reichtum der Erde“.

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