ALPENTOUR
 TROPHY

Veröffentlicht von: am 2. März 2011

Höllenritt auf dem Mountainbike.

Wenn im kommenden Juni die 
Skiregion Schladming-Dachstein-Tauern gewaltig unter die Räder kommt, kann das nur eines bedeuten: es ist wieder Alpentour Trophy! Von 2. bis 5. Juni jährt sich das größte und höchstdotierte Mountainbike-Etappenrennen Europas bereits zum 13. Male.
Angesagt haben sich an die 400 Teilnehmer, die in den verschiedensten Leistungsstufen ihre Sieger ermitteln. Mitmachen kann im Prinzip jeder, doch es gilt zu bedenken, dass es in diesen vier Juni-Tagen rund 220 Kilometer und beachtliche 8800 Höhenmeter zu überwinden gilt – enorm steile Rampen, anspruchsvolle Singletrails und rüttelnde Downhills inklusive.


Motivierte Hobbyathleten, die sich gefolgt von stundenlangen Fachsimpeleien über Federgabeln, Ritzeln, Scheibenbremsen und das geringe Gewicht ihrer Rennmaschine, dann doch erbarmen den Ossiachersee in einer sonntäglichen Ausfahrt zu umkreisen, sollten ihre Teilnahme-Ambitionen an der Alpentour Trophy gründlich überdenken. Obwohl der Vergleich ein wenig hinkt – eine Radtour in Otto-Normalverbrauchers Freizeit hat mit der Alpentour Trophy ungefähr soviel gemeinsam, wie Omis Hauskatze Murli mit einem afrikanischen Geparden.

Einer der genau weiß, auf was er sich bei der Alpentour einlässt, ist Mountainbike-Profi Uwe Hochenwarter. Immerhin geht der 24jährige als Titelverteidiger in den diesjährigen Klassiker. Ein wirkliches Saison-Highlight für den Sportler aus Kirchbach im Gailtal, der im normalen Leben um Punkte und Körberlgeld im Olympischen MTB Cross Country Weltcup strampelt. Von März bis November beschert ihm das immerhin an die 30 Wettkämpfe und ungefähr 40.000 Reise-Kilometer in alle Kontinente. Das restliche Jahr überbrückt Hochenwarter mit – eh klar – Radfahren. In der wettkampffreien Periode ist beinhartes Training angesagt. „So um die 1.000 Trainingsstunden kommen da in vier Monaten schon zusammen“, erzählt der Mountainbiker. Die Zeit zur Regeneration ist dabei nicht berücksichtigt. Um die 25.000 Kilometer spult Hochenwarter in den Wintermonaten auf dem Drahtesel ab. Ein weiterer Vergleich der weniger hinkt, weil vom Österreichischen Verkehrsclub statistisch untermauert, weist dem durchschnittlichen österreichischen Auto rund 13.500 Kilometer pro Jahr zu.

Da für die Alpentour Trophy zusätzlich ein ganz spezielles Vorbereitungsprogramm von Nöten ist, scheint das Etappenrennen bei etlichen Bikern des Weltcups gar nicht im Rennkalender auf. Jene, die sich aufgrund der wertvollen Punkte dann doch dem Mountainbike-Marathon stellen, begegnen der viertägigen Plagerei mit sehr viel Respekt.
„Du musst auf Puls fahren und abwarten“, beschreibt Uwe Hochenwarter seinen Leitspruch. Es gilt also nicht gleich alle Körner auf dem ersten Abschnitt zu verschießen. Jene, die bei der Alptentour Trophy durchkommen oder gar siegreich sein wollen, müssen auch die nötige mentale Stärke mitbringen. Denn Regen und Schneefall beeinträchtigen nicht nur die Beschaffenheit des Untergrundes, sondern wirken zusätzlich auf das psychische und physische Befinden der Athleten.

Außerdem wird dem Sportler schon im Vorfeld ein strikter Ernährungsplan auferlegt. Die Kohlehydratspeicher müssen vor dem Wettkampf prall gefüllt sein, deshalb zählen Risotto, Nudelgerichte und Co. zu den täglichen Begleitern der Athleten. Während des Rennens hat sowieso keiner mehr Zeit für geregelte Mahlzeiten. Da flutscht gelegentlich ein Energy-Gel und jede Menge isotonischer Getränke in den Magen. Wer allerdings das Essen vernachlässigt, schwebt in Gefahr einen Hungerast zu erleiden und kann das Rennen gleich abhaken.

Und dann wäre da noch die Sache mit dem Material. Je forscher man seine Rennmaschine über Stock und Stein jagt, umso höher wird das Risiko eines Defekts – was wiederum entscheidend Zeit kostet. Wechsel und Reparatur des Fahrrads sind nur in ausgewiesenen Betreuer-Zonen möglich. Da kann es durchaus passieren, dass ein Athlet im Laufschritt mit geschultertem Renngerät daherkommt.

Der erweiterte Kreis der Siegesanwärter bei der Alpen Trophy umfasst nur 20 – 30 Mountainbiker. Während sich die Elite nach dem Zieleinlauf mit Regeneration, Massagen und dem Physiotherapeuten beschäftigt,
strampelt so mancher Hobbysportler noch munter  in der Bergwelt der Dachstein-
Region umher. Bevor für diese Athleten die Erholungsphase  beginnt, stehen noch kleinere und gelegentlich auch gröbere Reparaturarbeiten an der eigenen Rennmaschine bevor. 
Ein Mechaniker-Team ist nur bei wenigen Profi-Teams üblich. Zum Ausrasten und Wunden kurieren bleibt für die Amateure also sehr wenig Zeit, denn schon am folgenden Morgen stehen die Sportler wieder in den Clips und strampeln dem nächsten Gipfel entgegen, stürzen sich in Höllentempo die Abfahrten hinunter, um am Nachmittag von der begeisterten Zuschauermenge im Zielraum empfangen zu werden.

Rund um den Start/Ziel-Bereich der Alpentour Trophy, der auf dem Hauptplatz in Schladming seine Zelte aufschlägt, entwickelte sich in den vergangenen zwölf Jahren ein internationales Mountainbike Festival. Eingefleischte Fans und Schaulustige können in der Expo-Area die neusten Produkte der Radsport- und Zubehörhändler begutachten. Außerdem lassen sich die Mechaniker der Profi-Teams beim Präparieren der Bikes gerne über die Schulter blicken. Kulinarisch verwöhnt werden Sportler und Besucher in der Chill-Out Area und bei den täglichen Hüttenfesten. In diesem Juni feiert auch die E-Bike Trophy ihre Premiere, welche nicht als Rennen, sondern als reine Vergnügungstour durchgeführt wird.

Um die Alpentour Trophy für die Zuseher noch attraktiver zu gestalten, haben die Organisatoren erstmals ein Bergzeitfahren in das Programm aufgenommen. Die dritte Etappe der Alpentour Trophy am Samstag, den 
4. Juni 2011 führt vom Hauptplatz Schladming über die Planai hinauf zur Schafalm. Titelverteidiger Uwe Hochenwarter freut sich schon auf den Kampf gegen die Uhr. Wie er anfügt zählt der Ritt bergauf zu seinen großen Stärken. Dass das Ganze „Vollgas“ passieren soll, versteht sich von selbst.

Die Alpentour Trophy…

ist Europas größtes Mountainbike-Etappenrennen
führt über 220 Kilometer und 8800 Höhenmeter
geht über steile Rampen, Singletrails und rüttelnde Downhills
vereint zum 13. Mal Mountainbiker aus aller Welt
ist beim Starterfeld auf 400 Teilnehmer limitiert
schüttet Preise im Gesamtwert von 22.000 Euro aus
ist begehrte Sammelstelle für Weltranglistenpunkte
wird heuer durch ein Bergzeitfahren noch attraktiver
ist ein wichtiges Saisonziel von Uwe Hochenwarter
entwickelte sich zu einem internationalen Mountainbike Festival
lädt alle, die sich trauen, zum Mitmachen ein

 

 

 

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