Wie eine Zigarre über dem Drautal

Veröffentlicht von: am 1. September 2010

Das Museum Liaunig für zeitgenössische Kunst in Neuhaus /Suha.

Im Sommer 2008 öffnete das Museum für zeitgenössische Kunst des Kärntner Unternehmers und leidenschaftlichen Sammlers Herbert W. Liaunig in Neuhaus/ Suha die Pforten. Neben afrikanischen Kultobjekten aus Gold beherbergt das Museum eine der umfassendsten Sammlungen österreichischer Kunst seit dem Zweiten Weltkrieg. Für seine Kunstsammlung hat Liaunig innerhalb der letzten Jahrzehnte bis zu 2200 Werke von vorwiegend nationalen Künstlern, ergänzt durch einige internationale Vertreter, gesammelt und vereint.

Nachdem das Siegerprojekt eines internationalen Wettbewerbs für den Neubau des Museums wegen Kostenüberschreitung scheiterte – Liaunig finanzierte das Vorhaben vollständig ohne Beteiligung des Landes Kärnten – wurde nochmals ein Wettbewerb für österreichische Architekten ausgeschrieben. Die Finanzierung des seit 2006 geplanten und nun fertiggestellten Projekts betrug ca. 6,5 Mio. Euro.

Das Gebäude liegt auf einem Hochplateau, das zu zwei Seiten abfällt und so den direkten Bezug des Museums zur Landschaft ermöglicht. Der Baukörper ist mit einem Ausblick ins Drautal, ähnlich wie eine Zigarre im Ascher, in das Plateau eingebettet und ragt als weithin sichtbares Monument über die Böschung hinaus. Der Eingangsbereich richtet sich zum Ortszentrum von Neuhaus sowie zum Wohnsitz des Museumsgründers, dem Schloss Neuhaus, hin. Von außen tritt für den Betrachter allerdings nur ein Bruchteil des gesamten Volumens zu Tage. Erst im Inneren des Museums mit insgesamt 4400m2 Nutzfläche erlebt man die räumlichen Dimensionen des Gebäudes, das sich großteils unterirdisch befindet.

Der Entwurf der klaren und ausgewogenen Formen der Gesamtanlage aus mehreren Bauteilen in Sichtbeton stammt vom Wiener Architekturbüro querkraft. Neben dem Sichtbeton der Konstruktion prägen Glas und die Stahlblechverkleidung der Fassade das Erscheinungsbild des Gebäudes. Die Wahl der Materialien ist an den indus-triellen Hintergrund des Museumsgründers angelehnt und steht in starkem Kontrast zur umgebenden Landschaft. Eine wichtige Besonderheit der inneren Organisation stellt der Zugang vom Eingangsfoyer über eine Erschließungsrampe in ein großes Schaudepot dar. Dieser umfangreich bestückte „Weinkeller der Kunst“, wie die Architekten das Schaulager beschreiben, ermöglicht es, alle vorhandenen Exponate besichtigen zu können.

Durch ein mobiles Hängesystem der Depotregale können einzelne Objekte mit individueller Beleuchtung inszeniert werden. Der 160 m lange, 13 m breite und 7 m hohe Hauptraum mit zirka 2000 m2 Ausstellungsfläche für Malerei und Plastik, welcher als „white cube“ mit flexiblen Wänden den außen sichtbaren Kern des Museums bildet, wird an beiden Enden durch die Aussichtsterrassen mit eindrucksvollem Weitblick abgeschlossen. Das Dach der durch transluzente Elemente natürlich belichteten Haupthalle bilden Bogenschalen aus dem Industriebau. Ein separates Kabinett für Grafik ist an den zentralen Ausstellungsraum angegliedert. Über einen schmalen und speziell inszenierten Verbindungsgang gelangt man schließlich in einen schwarzen Kubus zur Ausstellung der Goldobjekte.