Von Männern die Öfen bauen

Veröffentlicht von: am 29. September 2010

Auf den ersten Blick erscheint es ein wenig merkwürdig, wenn ein Mann gute vier Jahre damit verbringt sich einen eigenen Ofen zu basteln. Und das alles nur deshalb, weil er allergisch auf Zentralheizungen reagiert?
Ideen hat Josef Schaunig seit jeher zu Haufe und manchmal, wie er selber anmerkt, sprudeln diese regelrecht aus ihm heraus.
„Mit unseren Gedanken formen wir die Welt“ lautet ein passender Ausspruch des Siddharta Gautama, der nicht unerwähnenswert als Begründer des Buddhismus gilt. Frei nach diesen Worten formte also Josef Schaunig seinen „Rož“, der bei genauerer Betrachtung zwar nicht die Welt, aber doch ein wenig mehr als ein herkömmlicher Ofen ist.

Nun aber ab nach Ladinach, jenem kleinen Örtchen in der Nähe von Feistritz im Rosental, wo Josef Schaunig sich am Fuße der Karawanken niedergelassen hat. Sein Brotberuf führt ihn als Hufschmied durch ganz Kärnten. Das sollte auch erklären, warum er sich mit dem Schmieden und Beschlagen von Eisen nahezu perfekt auskennt. Die Idee einen eigenen Ofen zu konstruieren wirbelte vor ungefähr vier Jahren erstmalig durch Schaunigs Gehirnwindungen. Dabei nicht unwichtig: sein gröberes Unwohlbefinden aufgrund der trockenen Luft aus der Zentralheizung und natürlich, wie er stets betont „die Liebe zum Schaffen.“

Wenn Technik die Liebe auf die
Probe stellt
Was folgte waren zahllose Entwürfe, Skizzen und Umplanungen. Viel probiert hat er und viel wegschmeißen musste er. Darüber hinaus wurden einige Ansätze wieder verworfen und völlig neu angedacht. Immerhin sollte das Endprodukt „Rož“, so wird das Rosental im Slowenischen bezeichnet, alles andere als ein konventioneller Ofen werden.
Besonders in puncto Technik wurde Schaunigs Liebe zu seinem Heizgerät einige Male auf ein harte Probe gestellt. Nach langem Grübeln und etlichen Veränderungen ging dem Ofenbauer inmitten von Rauchschwaden letztendlich aber doch ein Licht auf. Durch die spezielle Anbringung des Heizkessels entwickelte er eine völlig neue Technik. Die nach oben strebende Luft wird komprimiert, wodurch die erhitzte Raumluft mittels Sogwirkung durch die obere Öffnung nach außen gesaugt wird. Klingt jetzt für Technikmuffel überaus kompliziert, hat aber den einfachen Effekt, dass dadurch im Raum eine optimale Luftumwälzung stattfindet.
Was am Ende zählt: der Raum wird in kürzester Zeit gleichmäßig erwärmt – und das auf bis zu 100 Quadratmetern. Schnell und überall gleich warm! Jene die schon einmal das Vergnügen hatten neben Schaunigs „Rož“ zu verweilen, erinnern sich gerne an die wohlige Wärme des Luft-Konvektionsofens.

Philosophie und Funktion
eines Alleskönners
Die Grundidee des „Rož“ ist, wie Josef Schaunig erzählt, eine kommunistische. Auch Ärmere sollen sich einen qualitativ hochwertigen Ofen leisten können. Dazu kommt noch, dass Schaunigs „Rož“ auch funktionell weitaus mehr drauf hat als ein landläufiger Kamin-ofen. Erfinder Schaunig versieht seinen „Rož“ deshalb gerne mit dem Attribut „Alleskönner“.
Mit der aufsetzbaren Kochplatte kann der Nutzbereich nämlich zum Kochen (ideal für Wok) erweitert werden. Teeliebhaber erfreuen sich am beruhigenden Blubbern des Warmwasserboilers, der die Funktion eines Samowars übernimmt. Mit dem dritten Zusatzteil, dem Backofen, verlagert sich das Kochvergnügen endgültig auf den Alleskönner. Der 20 Liter fassende Innenraum bietet genügend Raum für einen ergiebigen und sehr knusprigen Schweinsbraten.
Hergestellt wird Alleskönner „Rož“ nur aus hochwertigen Materialien und natürlich ausschließlich von Hand. Die seitlich angepassten Deckplatten sind individuell gestaltbar und die Glasscheibe an der Vorderseite vermittelt den Charme eines offenen Kamins. Schaunig ist darüber hinaus besonders stolz, dass der stilvolle Hingucker „Rož“ nur schlanke 70 kg auf die Waage bringt und völlig stromunabhängig funktioniert. Beheizt wird er mit Holz oder Kohle.

Die trockene Luft aus seiner Zentralheizung gehört in Josef Schaunigs Haus nun endgültig der Vergangenheit an. Die Liebe zu seinem Ofen ist ihm allerdings geblieben und er tüftelt unaufhörlich weiter um seinen „Rož“ noch weiter zu verbessern.
Die Liebe zum Detail spiegelt sich in Schaunigs Leben auch in seiner Liebe zu Musik wider. Ab und an organisiert der passionierte Trompeter und Tubaspieler Jazz- und Rockkonzerte in seinem Haus. Namhafte Jazz-Musiker aus ganz Kärnten kommen gerne vorbei wenn Schaunig zu Sessions nach Ladinach lädt. In sehr persönlichem Kreis wird dann gejammt und es kommt immer wieder vor, dass der „Rož“ als Rhythmus-Instrument in die Session integriert wird.
Ein Alleskönner eben!