Villacher Kirchtag

Veröffentlicht von: am 1. September 2010

Wenn über der Stadt bunte Fähnchen wehen und die Villacherinnen und Villacher ihre Trachten hervorholen, ist das Fest der Feste nicht mehr weit – Kirchtag wird’s in Villach!

Der heurige Villacher Kirchtag ist bereits der 66. und wieder wird eine ganze Stadt eine Woche lang Brauchtum leben, Traditionen wahren und ihren Besuchern ein friedliches und fröhliches Miteinander vermitteln. Jung und Alt strömen in die Draustadt und erfreuen sich an Musik, Tanz und Kulinarik. Der Villacher Kirchtag, ein Fest für alle Sinne und jeden Geschmack.

Die Anfangsjahre
Im Jahre 1936 nahm der damalige Festausschuss der Stadt Villach eine historische Begebenheit aus dem Jahre 1225 zum Anlass, den Zeitpunkt des Kirchtags in die Zeit um den Jakobitag zu legen. Damals verlieh Kaiser Friedrich II. der Stadt das Recht, einen Jahresmarkt in dieser Zeit halten zu dürfen. Am 1. August war es dann soweit – der erste „Villacher Kirchtag“ löste den in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren von der Bauerngman abgehaltenen Bauernball ab. Der große Erfolg gab den Organisatoren Recht, und der Kirchtag wurde zum Fixpunkt im Jahreslauf der Villacher. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Unterbrochen wurde die Reihe nur während der Kriegsjahre des 2. Weltkriegs von 1940 bis 1947. Am 7. August 1948 wurde die Stadt aber wieder zum Tanzboden, Speisen und Getränke konnten erstmals ohne Lebensmittelmarken gekauft werden und nach harten und dunklen Jahren erstrahlte die ganze Innenstadt in einem Meer aus bunten Fahnen und Lichtern. Zwei Jahre später führte die Bauerngman das Kirchtagsladen ein. Drei Bauern zogen mit feschen Laderinnen durch die Stadt und luden zum Kirchtag. Auf diese Weise wurde auch die Kindlkasse gefüllt, mit deren Inhalt man in Not geratenen Kindern half. Mit den Jahren wurde das Kirchtagsladen zum unverzichtbaren Bestandteil des Villacher Kirchtags und beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Villach.

Seit über 40 Jahren wird der Kirchtag immer am ersten Samstag im August gefeiert, und seit 1972 wird die Brauchtumswoche am Sonntag davor mit dem feierlichen Hochamt in der Stadtpfarrkirche eröffnet. Bis dahin war es streng betrachtet kein rechtmäßiger „Kirchtag“, gab es doch keine Veranstaltung in der Kirche. Im Anschluss an den Gottesdienst geht es im festlichen Zug zum Rathausplatz, wo der traditionelle Bieranstich stattfindet und man sich nach dem Auftanz mit der ersten Kirchtagssuppe stärkt.

Die Brauchtumswoche
Die Brauchtumswoche wurde eingeführt, um den Bezug zum Jakobitag herzustellen und das Brauchtum besser vermitteln zu können. Zahlreiche Veranstaltungen finden in dieser Woche statt, verschiedene Musik- und Volkstanzgruppen geben sich ein Stelldichein. Während am Montag rund um die Stadtpfarrkirche am Jakobimarkt die Standler ihre Waren feilbieten, präsentiert sich am Rathausplatz das Nachbarland Slowenien.
Ein Höhepunkt der Brauchtumswoche ist auf jeden Fall das „Kirchtagssuppenverkosten“ am Dienstag, wo ein unverzichtbarer Teil des Kirchtags im Mittelpunkt steht – die Villacher Kirchtagssuppe.  Wirte treten mit ihren Suppen an und das Publikum wählt per Abstimmung ihren Favoriten. Die Musik kommt natürlich auch an diesem Abend nicht zu kurz und am besten genießt man zur Kirchtagssuppe der Villacher liebstes Gebräu, ein Villacher Bier.
Am Mittwoch öffnet dann der gemütlichste und größte Gastgarten Österreichs am Hauptplatz seine Pforten. Rund um fünf Bühnen, auf denen Volksmusikgruppen aus ganz Österreich ohne Verstärker spielen, verwöhnen die Hauptplatzwirte die Gäste mit feinsten Schmankerl.

Der Kärntner, weit über die Landesgrenzen für seine Sangesfreude bekannt, findet am Rathausplatz Gelegenheit seiner Leidenschaft zu frönen. Am Mittwoch erklingen Gstanzl aus Kärnten und am Donnerstag wird zum offenen Singen geladen. Ebenfalls am Donnerstag stellt sich der Volksmusik-Nachwuchs aus allen Tälern Kärntens vor. Großen Anklang fand im letzten Jahr die Veranstaltung ‚Komm tanz mit’ am Freitag, in deren Rahmen Volkstanzgruppen aus dem In- und Ausland in landestypischer Tracht ihre Tänze präsentieren und im Anschluss das Publikum zum Mittanzen einladen.

Der Höhepunkt
„Kirchtag is!“ heißt es dann am Samstag. Als Höhepunkt findet der große Trachtenfestzug statt, mit bis zu 4000 Trachtenträgern, Brauchtumsgruppen und Musikkapellen aus ganz Kärnten, den Bundesländern und Europa. Jedes Jahr kommen Zehntausende Besucher um beim Umzug dabei zu sein und säumen die Route durch die Altstadt. Im gesamten Festgelände wird auf zahlreichen Bühnen Volkstanz und Musik geboten.

Die Vergnügungsmeile
Gelebtes Brauchtum in all seinen Variationen ist nur ein Teil des Villacher Kirchtags, es wäre kein Volksfest gäbe es nicht auch einen Vergnügungspark. Ob Kinderkarussell oder spektakuläre Hochschaubahn, Dosenwerfen oder Spiegelkabinett, bis hin zur obligaten Zuckerwatte wird auf der zwei Kilometer langen Unterhaltungsmeile alles geboten, was die Herzen von Jung und Alt höher schlagen lässt.

Die Geburtsstunde
Übrigens, zum 63. Villacher Kirchtag trat „Pleamle“ erstmals ins Rampenlicht und fand derart großen Anklang, dass der Verkaufsstand buchstäblich gestürmt wurde. Kein Wunder, verkörpert es doch ebenso wie der Villacher Kirchtag die Gratwanderung zwischen Tradition und Moderne.

Der Jakobimarkt
Einer der ältesten Villacher Handelsplätze (Erste urkundliche Erwähnung:  1225). Erlebt seit 1980 eine Renaissance. Seither ein beliebter Handwerker- und Brauchtumsmarkt und wesentlicher Bestandteil der Brauchtumswoche, der ausschließlich Handwerks- und Gewerbebetrieben und einschlägig orientierten Handelsunternehmen als Präsentationsplattform dient.

Die Bauerngman
Gegründet 1908, mit dem Hintergrund in Not geratene Kinder mit warmen Kleidern zu beschenken. Der Vereinsname Bauerngman bezieht sich nicht auf die berufliche Herkunft der Mitglieder, sondern war vielmehr Ausdruck für Aufrichtigkeit, Nachbarschaftshilfe und Verlässlichkeit. Der gemeinnützige Verein setzt sich derzeit aus 19 aktiven Bauern, 21 Ehrenbauern (nach 25 Jahren aktiver Mitgliedschaft) und 3 Gastbauern (kann jede ehrenwerte Person werden) zusammen. Mitbegründer des Villacher Kirchtags sowie des Villacher Faschings.