SASAKA ODER VERHACKERT

Veröffentlicht von: am 1. September 2010

SASAKA ODER VERHACKERT.

In unserem Feinschmeckerleben gibt es so viele Köstlichkeiten oder Schmankalan, wie man die regionalen kulinarischen Feinheiten seit geraumer Zeit fast inflationär nennt, denen zu wenig Aufmerksamkeit und Zuneigung zugetragen wird.
Kindheitserinnerungen wie gebackene Hollunderblüten oder ein einfaches Butterbrot mit Salz und Schnittlauch sind es, die uns sofort ein „Mah guat, wie damals bei der Oma“ jauchzen lassen. Dass es eigentlich kein Problem wäre, sich durch diese Köstlichkeiten weiterhin unseren Alltag zu versüßen, wird oft durch die lukullischen Einflüsse aus anderen Küchenkulturen vergessen – es grüßen Burger, Döner und Co.
So sind wir, also die Herausgeber dieses Magazins und eine Handvoll mitdenkender Kulinarik-Enthusiasten bemüht, gerade diese unscheinbaren Köstlichkeiten der heimischen Kochkunst vor den Vorhang zu holen, um unseren Beitrag zur Renaissance der Kochkultur unserer Elterngeneration zu leisten.

Wir wollen deshalb die Sasaka oder das „Verhackerts“ feiern und die unglaubliche Vielfalt und Würde dieses einfachen, aber umso schmackhafteren Produktes, würdigen.

Was ist nun Sasaka?
Die Sasaka, zu Deutsch „Verhackert“ ist ein uraltes Genuss- und Überlebensmittel aus der bäuerlichen Küche. Generell, so klärt „Kuchlmasta“ Peter Lexe auf, ist die Sasaka ein Brotaufstrich aus „verhackertem“, geräuchertem Speck, der seinen Ursprung in der bäuerlichen Küche unserer Region hat. Besonders hervorzuheben ist hier der Südkärntner Raum, wobei vor allem die slowenisch-deutschsprachigen Dörfer Feistritz/Gail, Achomitz, Dreulach, Draschitz oder Hohenthurn im Unteren Gailtal wie auch das Jauntal nach wie vor großen Respekt und eine ausgeprägte Verarbeitungskunst in die Produktion der Sasaka investieren.

Im Zuge einer Sasakaverkostung am Villacher Kirchtag 2009 am „Jausnstandl“ (Oberer Kirchenplatz) konnte auch, neben Vertretern aus oben genannten Landesteilen, beste slowenische Sasaka (aus der Gegend um Jeruzalem) genossen werden. Darüber hinaus gab es Kostproben aus Arriach (Gegendtaler Sasaka von der „Alten Point“), dem Rosental (Dounighof) und aus Villach (Verhackert von der jüngsten Fleischermeisterin Kärntens, Daniela Hartl).

Wir möchten Ihnen, liebe Leserinnen und Leser nahe legen, bei der nächsten Gelegenheit herzhaft in ein Sasaka-, vulgo Verhackertbrot zu beißen. Es gibt wenig ehrlichere, einfachere und dennoch so vielfältige Geschmackserlebnisse, die es verdient haben erforscht zu werden – Mahlzeit!

Sasaka (= Verhacktes): aus slowenisch zaseka ‘verhackter Speck’, zu sekati ‘hacken’. Verhacket, Verhackert, Verhacktes [fə(r)håkhəts], auch Speckverhacket ‘aufge¬hack¬ter, gewürzter Speck’; wird aus geräuchertem, ausgelassenem und entsprechend gewürztem „durchzogenem“ Speck hergestellt und zählt zu den beliebtesten Brotaufstrichen in Kärnten.

Wahrscheinlich handelt es sich bei der Endung -et, -ert usw. wortbildungsmäßig um ein altes (neutrales) Kollektivum aus germanischer Zeit, althochdeutsch -idi, mittelhochdeutsch -ede, worauf die südbairischen Bildungen auf -ede/-ete zurückgehen; dafür spricht auch das in Kärnten und der Steiermark allein übliche sächliche Geschlecht. Damit wortbildungsmäßig vergleichbar: måchet, måchade (das) ‘zerhacktes, eingepökeltes Fleisch, womit im Winter die gewöhnlich zum Frühstück aufgetragene Wassersuppe gewürzt wird; diese Würze kann auch aus Käse bestehen: kasmåchet (urkundlich 1622 u. 1633)’, (Kas-) Måchet ‘Machede (Käsemischung)’ (Mölltal), traditionell Machetkugel, ein mit Teig abgemachter und zu Kugeln gekneteter bzw. geformter ‘verhackter’ Speck. Verhacket (das, Unterkärnten; = måchade) ‘kleingehacktes, eingesalzenes Fleisch’ (urkundlich. 1784); dass hier der Ansatz     -ade auch möglich ist, wird durch steirisches (fa)håkat ‘gehackter, leicht geselchter Speck’ (vgl. auch måchat ‘Schweinefett, Grammelschmalz’) unterstrichen; die kollektive Form Verhackede wurde auch in Feldkirchen und Molzbichl erhoben. Dazu gehört wohl auch Bachet [påchət] ‘Backfett’.

Bearbeitet nach:
Die Sprache der Kärntner Küche Jezik koroške kuhinje
Ein Lexikon mit Ausblicken auf die österreichische und internationale Küche (für alle, die gerne kochen und wissen wollen, woher viele Küchenausdrücke kommen und was sie bedeuten). Klagenfurt, Hermagoras 2004, S. 81 u. 86.
Deutsch-slowenische und slowenisch-deutsche Lehnbeziehungen als Spiegel der Kulturgeschichte (gezeigt an Speisenbezeichnungen). In: Beiträge des Internationalen Symposiums Deutsche Wortforschung als Kulturgeschichte (25.-27. Sept. 2003), hg. v.  I. Hausner u. P. Wiesinger, Wien, ÖAW 2005, S. 304 u. 291f..