Pleamle Goes India

Veröffentlicht von: am 30. September 2010

Zwischen Meditation und Royal Enfields.

Was macht eine Kärntnerin, die im Jänner nach Goa/Indien fliegt? Sie nimmt Beachwear von Pleamle mit! Denn auch die Inder haben ein großes textiles Traditionsbewusstsein. Die Frage war, ob man in dem ehemals sehr hippie-lastigen Dorf Arambol im Norden von Goa eine hübsche Inderin finden würde, die bereit wäre, sich in westlicher Strandkleidung in Pose zu werfen.  Wir fanden sie erstaunlich rasch. Aneesha stammt aus der nordindischen Stadt Chandigarh, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom Schweizer Architekten Le Corbusier geplant wurde. Aneeshas Ehemann Lamat, ein Südtiroler, führt das Café “Dreamland” in Arambol, wo man den besten Kaffee weit und breit und ein legendär gutes Frühstück bekommt. Aneesha arbeitet an einer Modeschmuckkollektion und wird ansonsten von ihrer kleinen Tochter auf Trab gehalten. Unser Fotograf für das Pleamle-Goa-Shooting, Ingo Katholnig, ist schon fast ein “local” in Arambol, er verbrachte zu dieser Zeit gerade seine zweite Wintersaison dort. Am Tag, für den wir das Shooting angesetzt hatten, ließen wir Nicht-Inder uns von der diesigen Morgenluft irritieren – doch Aneesha behielt recht und es wurde ein strahlend schöner Vormittag, an dem unzählige Fotos von Aneesha in Pleamle vor Goanischen Fischerbooten, dem Arabischen Meer und unter Palmen entstanden. Wir erregten einiges Aufsehen, die indischen Strandverkäuferinnen in ihren traditionellen Gewändern tuschelten aufgeregt. Denn Bikini, knappe Shorts und Tops tragen hier meist nur Touristinnen. Sunny, Kellner in einer der beach shacks, war begeistert von den Pleamle-Flip-Flops und fragte “how much?” Diese Frage hatte ich noch nie zuvor von einem Inder gehört, normalerweise bekommt man als Europäer in Indien eher Phrasen wie “Come Ma’am, look into my shop” oder “Why don’t you buy something?” zu hören.

Goa ist Indiens kleinster und zugleich reichster Bundesstaat. Die Portugiesen haben ihrer ehemaligen Kolonie großartige Architektur hinterlassen, die heute von Indern und einer bunten Mischung aus Touristen und long-term-stayers bestaunt, bewohnt und erhalten wird. Goa ist ein kleiner, aber bunt gemischter Schmelztigel, in dem Inder, Europäer und seit einigen Jahren vor allem auch Russen aufeinander treffen. Aus diesen verschiedenen kulturellen Einflüssen hat sich auch ein eigener Modestil entwickelt. Leder ist ein gerne verarbeitetes Material, ob zu Röcken, Hosen, Oberteilen oder Schuhen. Wenn Indiana Jones und Mad Max jenseits der Donnerkuppel auf ein paar Hippies treffen, dann ist das Resultat „Goa-Style“.

Ein beliebter Ausspruch im gebrochenen Hindi-English ist „What to do?“ Die korrekte Antwort lautet: „Go to Kathmandu.“ Aber was nun, wenn man nun eher zu „Go to Goa“ tendiert? Wenn man Arambol, das letzte für Touristen erschlossene Dorf vor der nördlichen Grenze von Goa selbst besuchen will? Wir Kärntner können uns da getrost an zwei Landsleute wenden, die Arambol inzwischen wie ihre – in Indien ob der Hitze nicht vorhandene – Westentasche kennen. Wolf und Ingo haben in Arambol in den letzten drei Jahren viele Kontakte geknüpft. Sie haben in dieser Zeit durch Erfahrung gelernt, die vertrauenswürdigen Inder von den weniger so gearteten zu unterscheiden und verfügen inzwischen über ein breites und nützliches Repertoire an Informationen, das sie seit Kurzem auf einer Website  allen Interessierten zur Verfügung stellen. Neuankömmlinge – und nicht nur diese – möchten erfahrungsgemäß gemütlich, günstig und sicher wohnen. Auf http://arambolgoa.jimdo.com/ können sämtliche Varianten indischer Unterkünfte gebucht werden. Wer direkt am Meer residieren will, wird hier eine Beachhut aus Palmgeflecht finden, je nach Bedarf auch komplett mit Elektrizität (Ventilator) und eigenem Badezimmer. Für gesellige Goa-Neulinge ist unter den malerischen Guest Houses (entspricht im europäischen Sinne einer Mischung aus Hotel und Pension) sicher eines dabei. Wer Action will, kann sich im Ortszentrum einmieten, wer zum Meeresrauschen sanft entschlummern möchte, wird eines der Guest Houses direkt am Beach wählen. Auch die Kombination von beidem ist möglich. Arambol hat viel zu bieten, dennoch ist es ein überschaubares Dorf und das Meer nie weit entfernt. Die beste Wahl für Neo-Goaner, die längere Zeit (ab zwei bis drei Wochen) die Vorzüge der üppig grün bewachsenen und immer noch – im Vergleich zum Rest von Indien – europäisch geprägten Ex-Kolonie genießen wollen, ist sicher das Mieten eines Appartments bzw. eines Hauses oder einer Haushälfte. Auf der eigenen Terrasse schmeckt das legendär süffige indische Kingfisher Bier gleich doppelt so shanti. Und wer nach längerem Aufenthalt die fabelhaften Angebote der vielfältigen Restaurants in Arambol hin und wieder satt hat,  kann sich auch mal hinter den eigenen Herd klemmen und mit den frischen Zutaten vom Gemüsestand und vom Fischmarkt experimentieren.

Goa ist aufgrund seiner „Größe“ hervorragend dafür geeignet, per Motorrad erkundet zu werden. Gefahren wird auf der linken Straßenseite und der indische Fahrstil ist langsamer aber auch unaufhaltsamer als der europäische. Wenn man die erste Scheu davor und vor den Kühen auf der Straße überwunden hat, kommt man erstaunlich gut voran. Kleine Distanzen von bis zu ca. einer halben Stunde Fahrtzeit lassen sich ohne weiteres per Motorroller bewältigen. Für alle größeren Touren empfiehlt sich – auch aufgrund der Sicherheit – ein Motorrad. Und wer wirklich indisch Motorrad fahren will, kommt nicht darum herum, auf eine der legendären Royal Enfields, quasi die indisch-britischen Harleys, zu steigen. Sie sind schwer genug, um auf den nicht immer bügelglatten indischen Verkehrswegen eine sichere Straßenlage zu geben und lassen sich auch geduldig mit Gepäck und Soziusfahrer für weitere Touren beladen. Abgesehen davon – sie sind unbestritten cool. Eines ihrer Markenzeichen ist das unverkennbare Knattern, das jedem, der es schon einmal gehört hat, als definitiv sexy in Erinnerung bleiben wird.  Ob es nun um Miete, Kauf oder Service eines solchen Kultgefährtes geht, Wolf und Ingo geben dazu als passionierte Enfieldfahrer und -besitzer gerne Auskunft.

Wer sich die kommenden Wintermonate versüßen will, ist mit einer Reise nach Goa gut beraten. Die Arabian Sea schwemmt jegliche Reste der Winterdepression weg. Das sowohl indische als auch internationale kulinarische Angebot in Goa lässt keine Wünsche offen. Sowohl partyfreudige als auch ruhesuchende Zeitgenossen kommen in Goa auf ihre Kosten.

Die Zeit der „fetten“ Goa-Beach-Parties ist zwar vorbei, aber es gibt eine ausreichende Anzahl an Clubs, in denen DJs von Weltrang auflegen. Im Hinterland laden Dschungel und Wasserfälle dazu ein, Goa abseits des Strandlebens auf abenteuerliche Weise zu erkunden. In Old Goa, der ehemaligen Hauptstadt der Portugiesen, lassen die architektonischen Schätze nicht nur Kunstfreunde erstaunt die Augen aufreißen. Hier reiht sich Kathedrale an Kathedrale, in einer davon (Basilica Bom Jesus) ist der in Goa namentlich omnipräsente Missionar St. Francis Xavier begraben. Old Goa wurde früher auch als “Rom des Orients” bezeichnet. Die Kathedrale St. Cajetan wurde nach dem Vorbild von St. Peter in Rom erbaut. Trotz der Gefahr, hiermit ins Kitschige abzudriften sollen die grünen Palmen und der blaue Himmel Goas nicht unerwähnt bleiben. Wer glaubt, das alles könnte er auch an vielen anderen Stränden der Welt finden, der irrt. Goa ist eine kleine, aber feine Mischung aus alt-europäischem Kolonialismus und „real India“. What to do? Visit Goa and enjoy life!