Overall Impression

Veröffentlicht von: am 30. September 2010

oder die spektakulärste Route ins Tal.

Obwohl Alex Huber seine Zeit fast täglich auf dem Berg verbringt, muss man schon großes Glück haben, den Freerider auf den Pisten des Nassfeldes anzutreffen. Wo für viele Skifahrer die Vorstellung des Machbaren aufhört, da beginnt die Welt des Alex Huber. Pure Freiheit spürt der 25jährige Kärntner auf unverspurten Hängen im freien Gelände, wo weder dichte Bäume noch meterhohe Felsenwände dem Skigenuss etwas anhaben können.

„Da denkst du einfach nur noch ans Skifahren…“

Seine große Liebe zu Schnee, viel Schnee ist auf seine Kindheitstage am Bergbauernhof in Kleblach/Lind im Drautal zurückzuführen. Bretteln und Abfahren gehörten damals zum Standardprogramm. Hubers Ambitionen eine Karriere auf Rennskiern oder als Fußballer zu starten, scheiterten jedoch an den Transportmöglichkeiten ins Tal. In seiner Jugendzeit griff er nach dem Snowboard und trat bei einigen Contests an. Als es den gelernten Zimmermann mit 18 Jahren in seine aktuelle Wahlheimat Hermagor zog, wechselte er wieder zurück auf zwei Bretter – gezwungenermaßen, denn es galt die Skilehrer-Ausbildung zu absolvieren.

Auf den abgelegenen Spots des Freeride-Geheimtipp Nassfeld entdeckte Alex Huber dann auch seine Liebe und vor allem sein großes Talent für das Befahren freier unverspurter Hänge vulgo Freeriden. Mit 20 Jahren wagte sich der Spätstarter dann zum ersten Mal mit fetten Twintips (breite Skier, speziell zum Freeriden) in das Gelände. Seitdem nimmt er an internationalen Bewerben teil und versucht sich professionell in den beinharten Auswahlverfahren der World Freeride Qualification Tour zu behaupten.

Zahllose Contests in ganz Europa hat der junge Freeskier mittlerweile schon hinter sich gebracht und darf sich zu den 60 besten Freeridern auf unserem Planeten zählen. Durchaus beachtlich für einen 25jährigen, denn wie Alex erzählt hat der Großteil der Freeride-Elite den 30. Geburtstag schon hinter sich gebracht. Routine wiegt in diesem Sport also schwerer als ungestümer, jugendlicher Tatendrang.

Der kleine Kreis der erlauchten Topstars bewegt sich dann auf der World Freeride Tour. Diese ist limitiert auf 20 Freeskier und 15 Snowboarder. Und genau dort will auch Alex Huber bald mitmischen, sich in der World Tour einen Namen machen und dann von Filmen und Fotoshootings leben.

„Die Alternativroute überlegst du dir dann instinktiv im Rennen.“

Auf die Frage wie ein Freeride-Contest eigentlich abläuft holt Alex weit aus. „Genau genommen darf der Hang zwei Monate vorher nicht befahren werden. Einen Tag vor dem Rennen folgt dann die Besichtigung von gegenüber. Hierbei wählen die Teilnehmer vom Gegenhang aus ihre persönliche Route – so zirka halt. Die Alternativroute überlegst du dir dann sowieso instinktiv im Rennen“, merkt der Hermagorer ganz locker an.

Nach einer Abfahrt durch massig Tiefschnee, gespickt mit waghalsigen Sprüngen über spitze Felsen und Klippen erreichen die Rider im Normalfall nach fünf bis acht Minuten das Ziel. Es gilt bis zu 1.500 Höhenmeter zu überwinden und „Schneeverhältnisse musst du alle fahren können“.
Verletzungen jeglicher Art sind bei solchen Contests an der Tagesordnung. Eingeplant sind diese Stürze freilich nicht, denn „mit einem Faller bist du bei den Judges sowieso gleich unten durch“, erzählt Alex. Das Bewertungssystem der fünf Punkterichter beurteilt weiters Geschwindigkeit, Technik, Risikobereitschaft, Linienwahl und die Flüssigkeit mit der die einzelnen Teilnehmer die steilen Hänge befahren. Dem hinzu kommt dann noch die Overall Impression, der Gesamteindruck.

Lebensphilosophie und Fulltime Job

Das facettenreiche Dasein eines Freeriders ist allerdings auch mit hohem Trainingsaufwand verbunden. Um das Verletzungsrisiko möglichst gering zu halten, trainiert Alex im Sommer hart an seiner Grundlagenausdauer und der Gang in die Kraftkammer bleibt ihm auch nicht erspart. Dazu kommen noch Koordinationstraining und jede Menge Gleichgewichtsübungen. Die Slackline, das ist jenes dünne Band auf dem Alex mittlerweile mühelos dahin balanciert, ist im Sommer aus dem Tagesablauf des Hermagorers nicht wegzudenken.

Nebenbei hält sich der 25jährige als Kletterlehrer, Mountainbike-Guide und Ski- und Snowboardlehrer fit. Immer wieder testet er sein Geschick beim Kite-Surfing und findet den Adrenalin-Kick auch beim Fallschirmspringen. Das Party machen kommt natürlich auch nicht zu kurz. Dennoch bleibt genug Zeit für Freundin Eva, die derzeit in Helsinki Umweltverfahrenstechnik und Biotechnologie studiert. Um auch abseits vom Sport nicht einzurosten, betätigt sich Alex als Event Manager und organisiert Filmpremieren. In der ersten österreichischen filmischen Freeski-Compilation  „Made in Austria“ ist Alex Huber übrigens auch mit dabei. Auch sonst ist der sympatische Hermagorer für alles offen und immer auf der Suche nach neuen Projekten und Sponsoren. Die benötigt er um bei diversen Fotoshootings neue, gute Bilder zu bekommen und um sich die Reisekosten und  Teilnahme an den Wettbewerben finanzieren zu können.

So reiste der Weltenbummler beispielsweise im Vorjahr  zum Freeriden in den Iran. Zum Abschluss der Saison ging es dann gemeinsam mit dem Snowboarder Anti Autti und einem Filmteam zum Heli-Skiing nach Norwegen. Dort offenbarte sich am Ostermontag dieses Jahres aber dann die Schattenseite des an sich sonnigen und so blauen Freerider-Himmels. Alex kam bei einem Backflip zu Sturz und brach sich das Schien- und Wadenbein. Der Rettungs-Hubschrauber brachte ihn erst nach fünf Stunden ins Krankenhaus und der junge Freerider schrammte knapp an einer Beinamputation vorbei. Die Rehabilitation verläuft gut und schon im Dezember will Alex seine Twintips wieder anschnallen. Die Zeit drängt, denn im Feber 2011 starten die ersten Bewerbe der Freeride Quali Tour. „Da bin ich wieder mit von der Partie“, erzählt Alex mit einem breiten Grinsen im Gesicht.