New York. New York!

Veröffentlicht von: am 1. September 2010

Auszug aus einem Reisebericht.

Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie etwas so berührt, dass es Ihnen eine Gänsehaut aufzieht? Zwar ist für mich dieses Gefühl nichts Neues, doch im Dezember letzten Jahres erlebte ich es in einer besonders intensiven Form.

Ich sitze im Flugzeug im Landeanflug auf New York City und Frank Sinatra trällert „New York, New York!“ aus meinen Kopfhörern. Es ist ein bitterkalter, glasklarer Dezemberabend, als plötzlich die Skyline von New York sichtbar wird. Ein würdiger Moment für eine Gänsehaut.

Dank der perfekten Organisation meiner Freundin wohnen wir in bester Lage direkt in Manhattan in dem äußerst sympathischen Viertel „Greenwich Village“. Den alten, klopfenden und zischenden Heizkörper im „Larchmont Hotel“ nehmen wir für die tolle Lage gerne in Kauf.

Es ist ein eigenartiges Gefühl plötzlich an einem Ort zu sein, den man irgendwie – nicht zuletzt dank unzähliger Hollywood-Blockbuster – schon kennt. Auch die New Yorker Börse an der Wall Street sehen wir fast täglich in den Nachrichten. Und trotzdem ist es etwas ganz Besonderes, wenn man tatsächlich davor steht. Obwohl ich die New Yorker Börse schon hunderte Male im Fernsehen gesehen habe, muss mich meine Freundin mehrmals daran erinnern, dass ich bereits dutzende Fotos gemacht habe.

Einige Querstraßen später stoßen wir mitten im Financial District auf eine gigantische Baustelle. Unzählige Baukräne ragen hinter den Zäunen hervor und dutzende Bagger graben tiefe Löcher. Das also ist „Ground Zero“. Ich beobachte einige Minuten die Arbeiten auf der Baustelle, die zwischen den Wolkenkratzern wie eine überdimensionale Sandkiste wirkt. Ich blicke nach oben und auf den blauen Himmel, und denke an die Live-Bilder der beiden Flugzeuge. Obwohl ich nun direkt am Ort des Geschehens bin übersteigt es mein Vorstellungsvermögen was hier 2001 passiert ist.
Verwundert stelle ich fest, dass die Freiheitsstatue wesentlich kleiner ist als ich erwartet habe. Das ändert aber nichts an der Symbolik, die diese aus 300 Kupferplatten zusammengesetzte Dame ausstrahlt. Übrigens war das berühmteste Wahrzeichen Amerikas ein Geschenk der Franzosen an das amerikanische Volk.

Endlich ist es soweit. Heute ist Brooklyn-Tag. Einem gewissen Ingenieur namens John A. Roebling kam 1867, als er mit der Fähre auf dem Weg nach Brooklyn im gefrierenden East River stecken blieb, die Idee, eine Hängebrücke aus Stahl zu bauen. Zu Fuß schlendern wir über dieses beeindruckende Bauwerk – die Brooklyn Bridge – in Richtung Brooklyn. Auf der anderen Flussseite stolpern wir nach einigem Hin und Her über das River Café. Anfangs etwas skeptisch wegen des Kellners im weißen Frack und dem sehr gehobenen Ambiente, genieße ich mit einem überteuerten Glas Chardonnay in der Hand den absolut umwerfenden Ausblick auf Manhattan. Man lebt nur einmal. Nach einigen guten Gläsern Wein machen wir uns wieder auf den Weg Richtung Manhattan. Die Entscheidung über die Brooklyn Bridge wieder zu Fuß zurückzugehen, stellt sich als absolut richtig heraus. Links ein traumhafter Sonnenuntergang, vor uns die Skyline von Manhattan wo langsam die Lichter angehen. Vorfreude auf das Musical „Chicago“, das wir heute noch am Broadway besuchen werden, kommt auf. So stelle ich mir einen gelungenen Tag vor. Es kommt aber noch besser. Der kulinarische Höhepunkt dieses Tages ist wohl das  Abendessen beim derzeit angesagtesten Italiener „Lupa“. Spätestens nach den besten Spaghetti Carbonara die ich je gegessen habe, würde ich am liebsten den Sinatra Song „New York, New York!“ anstimmen.
Ich könnte noch soviel erzählen, zum Beispiel vom Besuch des Museums of Modern Art (absolut empfehlenswert), der Plattform des Rockefeller Centers (ein Muss!), von einer Suppe mit behaarten Hühnerflügeln in Chinatown (für Mutige), dem Viertel „Hells Kitchen“, einem unvergesslichen Kinobesuch in Chelsea, einem traumhaften Ausflug nach Long Island zum Atlantik, einem köstlichen Curry in Soho oder vom berühmten Kaufhaus „Macy’s“, in dem ich verzweifelt eine halbe Stunde eine Toilette suchte, um danach weitere zwanzig Minuten zappelnd in der Schlange zu stehen. Aber eigentlich sollte jeder einmal hierher kommen und seine eigenen Eindrücke von dieser wunderbaren Stadt mitnehmen.

Wie sang schon Frank Sinatra: “Start spreadin‘ the news, I‘m leavin‘ today. I want to be a part of it New York, New York. These vagabond shoes, are longing to stray. Right through the very heart of it
New York, New York…”