Kunstkrug zum Kirchtag

Veröffentlicht von: am 26. September 2010

KUNSTKRUG ZUM KIRCHTAG.

Der Villacher Kunstkrug wurde 2003 anlässlich des 60. Villacher Kirchtags aus der Taufe gehoben. Initiatoren des Kunstkrugs sind die Kulturabteilung der Stadt Villach und Pleamle.
Den ersten Krug gestaltete der Kärntner Künstler Richard Kaplenig. Die Auflage war mit 250 Stück limitiert. 2004 übernahm der Villacher Künstler Gernot Fischer-Kondratovic die Bebilderung des Kruges zum 61. Villacher Kirchtag. Der Krug an sich bleibt immer unverändert, wodurch jedem Künstler die gleiche Fläche zur Verfügung steht. 2006 konnte der renommierte Kärntner Abstraktionsmaler Hans Staudacher für den Kunstkrug gewonnen werden. Mit Giselbert Hoke verewigte sich 2008 ein weiterer angesehener „Altmeister“auf dem Kunstkrug. Im Zweijahresrythmus setzen sich nun Künstler mit Tradition, Brauchtum und einem einzigartigen Fest in einer ebenso einzigartigen Region am Schnittpunkt dreier Kulturen auseinander. Die Ergebnisse sind so unterschiedlich wie die Künstler selbst.
2003 gab Richard Kaplenig den „Startschuss“: Vor der dunklen Masse des Dobratsch hebt sich in Weiß die Silhouette der Stadt Villach mit den Türmen von Stadtpfarrkirche und Kreuzkirche ab. Die Szenerie ist von schwarzem Grund hinterfangen. Darüber ist ein Text in den drei Sprachen des Alpe-Adria-Raumes – Deutsch, Italienisch, Slowenisch – gelegt. Die Schriftzüge verlaufen vertikal und kreuzen damit die Horizontale des Bildes. Diese verwobene Struktur verbildlicht das Geflecht der Kulturen des dreisprachigen Alpe-Adria-Raumes, in dem Villach als ein kulturelles Zentrum und Verkehrsknotenpunkt fungiert. Schriftzüge, Buchstaben und Zahlen sind wiederkehrende Bestandteile der Kunst Richard Kaplenigs.

2004 gestaltete Gernot Fischer-Kondratovitch eine Bildgeschichte für den Kunstkrug.
Es handelt sich um eine Anordnung von 3 x 3 Fotografien, die Zahl 3 steht für die Dreiheit des Alpe-Adria-Raumes und wiederholt sich auch in einigen der von Gernot Fischer gewählten Bilder, die Szenen aus dem Dreiländereck und dem Villach der Moderne zeigen. Der Dreiheit entsprechen das Bild vom Dreiländereck, der Zebrastreifen mit den drei Bollern, die drei Pfeile sowie die drei ein Faß bewegenden Männer. Weiters brachte Fischer-Kondratovitch einen Skispringer mit €-Zeichen auf der Brust auf den Krug, welcher ein Jahr nach Einführung des Euro entstand. Ferner sind der Mittagskogel, ein klassischer Fiat 500, eine Adriastrandszene und ein antiker Heuwender zu sehen. Die Fotos sind in orange-dunkelbraun auf den Krug gedruckt. Diese Farbgebung vermittelt den Eindruck übertrieben gefärbter Sepia-Fotografien und weckt somit ein Gefühl der Nostalgie.

2006 kombinierte Hans Staudacher Text mit Farb- und Formabstraktion in seiner typischen Bildlichkeit. Wie schon bei Kaplenig ist der Text dreisprachig gehalten. In Deutsch, Italienisch und Slowenisch kündigt er den Villacher Kirchtag an. Über der Ankündigung steht „Carinzia-Kärnten-Koroska“. Durch diese Dreisprachigkeit wird die Ankündigung der Traditionsveranstaltung auf Villachs Position im Alpe-Adria-Raum erweitert.

Der nächste Kunstkrug erschien 2008. Giselbert Hoke schuf keinen speziellen Entwurf zum Villacher Kirchtag, sondern wählte aus einem 20-teiligen großformatigen Emailwerk 4 Tafeln, die verkleinert auf den Krug reproduziert wurden. Es findet ein spannender Transfer in ein ähnliches Medium statt: Sowohl Email als auch Keramik werden glasiert und gebrannt und beide Materialien erhalten dadurch eine harte, glänzende Oberfläche, die sich für die künstlerische Gestaltung anbietet. Der Krug ist in Schwarz-Weiß gehalten, figural sehr reduziert, womit Hoke dem Markenzeichen seiner Arbeit treu bleibt.

Die Reihe der Kunstkrüge ist bisher durch einen Wechsel zwischen Schrift-Bild-Kombinationen und „Bildgeschichten“ charakterisiert:

2003 – Kaplenig kombiniert Bild und Schrift.
2004 – Fischer erstellt aus Fotos eine Bildgeschichte mit Zahlensymbolik.
2006 – Staudacher kombiniert Schrift und Farb-/Formabstraktion.
2008 – Hoke stellt Bilder aus einem bereits in einem anderen Medium bestehenden Werk auf dem Krug neu zusammen.

Bei den zwei Krügen mit Schriftzügen (2003 und 2006) ist zu bemerken, dass Staudacher auf das Ereignis Villacher Kirchtag konkret Bezug nimmt. Bei Kaplenig  hingegen werden Villach, Kärnten und der gesamte Alpe-Adria-Raum durch dessen drei Sprachen auf dem Krug repräsentiert.
Bei den Krügen von Fischer-Kondratovitch und Hoke werden jeweils Bilder, die in einem anderen Zusammenhang entstanden sind, auf den Kunst-Krug aufgebracht. Wobei auch Fischer-Kondratovitch den Alpe-Adria-Raum und nicht den Kirchtag als Ereignis an sich thematisiert. In seiner Malerei lässt Fischer-Kondratovitch gerne Schrift über die Bilder fließen. Beim Kunstkrug lässt er die Bilder alleine sprechen.
Man kann auch sagen: Zwei der Krüge folgen der Tradition der „klassischen“ Bierkrüge, die einen Schriftzug tragen, was bei Nicht-Kunst-Krügen meist der einer Brauerei ist. Die beiden anderen Krüge reihen sich in die Tradition der rein „bildlichen“ Keramikkunst, wie sie seit Jahrtausenden praktiziert wird, ein.
So wird in den Kunstkrügen der Charakter des Villacher Kirchtags deutlich: Kultur, Tradition und die nicht zu verleugnende Bier-Komponente gehen Hand in Hand und bilden ein charmantes Ganzes. Trotz dieser Gemeinsamkeiten bleibt jeder der Künstler seiner Formensprache treu und verleiht seinem jeweiligen Krug eine ureigene Gestalt. Die Formensprache der renommierten Künstler visualisiert eine Tatsache, die gerade im Zusammenhang mit Kärntner Brauchtum gerne vom (Bier)tisch gewischt wird: In Kärnten entsteht zeitgenössische bildende Kunst von internationalem Format! Man darf mit Spannung den nächsten Krug erwarten – ob er sich in diese Reihe einfügen oder uns völlig überraschen wird.

Gestaltet wird der Kunstkrug 2010 von einer weiteren international renommierten Kärntner Kunstgröße: Valentin Oman (geb. 1935 bei Villach). Oman studierte an der Akademie für angewandte Kunst in Wien und der Akademie für bildende Kunst in Ljubljana. Sein eigenständiges Schaffen ist breit gefächert und gekennzeichnet durch Vielseitigkeit und Wechsel. Reisen sind eine wichtige Inspirationsquelle für Valentin Oman. Omnipräsent in seinen Werken ist die Menschengestalt, erhaben und ikonenartig, hoch und schlank. Vielleicht ziert solch eine Figur auch den nächsten Kunstkrug?

Richard Kaplenig


1963 geboren in Kötschach-Mauthen
1986-1989 Ausbildung zum Holz- und Steinbildhauer
1993-1998 Studium an der Accademia di belle arti in Venedig, lebt und arbeitet in Wien und Faak am See

Gernot Fischer-Kondratovitch


1968 geboren in Villach
1989/90 Studium an der Escuela de Artes Visuale in Caracas/Venezuela
1991/95 Mozarteum Salzburg , Klasse Grafik
1995/97 Akademie der Bildenden Künste Wien
Seit 1997 freischaffender Künstler, lebt und arbeitet in Wien und Kärnten

Hans Staudacher


1923 geboren in St. Urban am Ossiachersee
Autodidakt
1954-60 längere Aufenthalte in Paris, 1989 Kulturpreis des Landes Kärnten, lebt und arbeitet in Wien

Giselbert Hoke

1927 geboren in Warnsdorf (D)
Studium an der Akademie der Bildenden Künste Wien
1950 gewinnt er den Wettbewerb zur Gestaltung der Bahnhofsfresken in Klagenfurt, die Fertigstellung erfolgt 1956
1974-95 Professur für künstlerische Gestaltung an der TU Graz, lebt und arbeitet auf Schloss Saager/Grafenstein