Extreme Ski Team Austria

Veröffentlicht von: am 30. September 2010

20 Jahre Freeriding worldwide.

Anfang der 1990er befand eine Hand voll skitüchtiger und pulverschneesüchtiger Studenten aus Spittal an der Drau, es sei an der Zeit, ihre Wedel- und Sprungkünste abseits normaler Pisten zu perfektionieren und zu dokumentieren. Markus Gauster, Manfred Gritzner, Gernot Petutschnig, Harald Grossegger und Georg Worsche gründeten einen Sportverein und hoben damit das Extreme Ski Team Austria aus der Taufe. Ausgangspunkt für das Team war der Spittaler Hausberg Goldeck, Schauplatz ungezählter Pulverschwünge und waghalsiger Geländefahrten abseits der Pisten. „Freeriding“ oder „Carving“ existierten noch nicht und so hatte das Team in einer Zeit, als Snowboarding boomte, die Steilhänge fast für sich allein. Doch man wollte mehr: Die Welt mit den Brettern erobern, dabei neue Freunde gewinnen und andere Kulturen besser verstehen wurde zum Credo – und die Kameras waren von Anfang an mit dabei. Ein bergbegeistertes amerikanisches Ehepaar bot 1992 sein Apartment im Nobelskiort Aspen/Colorado für drei Wochen im Zuge eines Austausches an und führte das Team in der Folge in die besten Skigebiete der USA. Von da an ging es Schlag auf Schlag: In Squaw Valley vollzog das Team seine höchsten Klippensprünge und nahm von da an bei den ersten Freeski Contests teil. Diese führten das Team bis nach Japan, wo Manfred Gritzner, auch „Mr. Extreme“ genannt, 1997 bei den japanischen Extremski-Meisterschaften in Sapporo den legendären zweiten Platz eroberte. Für den ersten Film des Extreme Ski Team Austria – „Skimania“ (drei Versionen von 1993 bis 1995) – wurden auch neue Dimensionen des Skifahrens eröffnet. So wurde im August 1992 die 65 Grad steile Staumauer Mooserboden in Kaprun mit Skiern erstbefahren – ein höchst spektakulärer Abseilakt mit Helm und ohne doppelten Boden, der auf Film festgehalten wurde.
Ausgediente Skier bekamen in verlassenen Schottergruben ihren letzten Gnadenritt. In Arcachon, nahe Bordeaux, wedelte das Extreme Ski Team durch den heißen Sand der größten Wanderdüne Europas.  Der Spot wurde 1994 in der „Sportarena“ bei Robert Seeger gezeigt. Zur Abkühlung gab es von 1992 bis 1995 Helicopter-Skiing beim Kärntner Mike Wiegele in Kanada, für den das Team seine spektakuläre Tiefschnee-WM aufnahm und meterhohen Pulver genoss. Abgerundet wurden die Aktivitäten durch Skifahren und Mountainbiken in Kuba (1992 und 1994), wo die Oberkärntner eines der ersten Filmteams nach der Öffnung des Landes für den Tourismus waren. Für den ORF war das Team 1994 zu Dreharbeiten in den Karawanken zum Geröllskifahren, nachdem man monatelang Geröllhalden in Kärnten sondierte.

Finanzieren konnte das Extreme Ski Team die Reisen und Aktionen durch das findige Aktivieren von Sponsoren und über hundert Vorführungen der Skimania-Multimediashow an den Unis und Skiorten in ganz Österreich.  Als das Team mit den Jahren beim Studium etwas überzog und Abschlüsse anstrebte, wurde der Pulsschlag der Oberkärntner Freeskier etwas ruhiger. Einige Mitglieder des Teams schieden berufs- oder familienbedingt aus. Als harter Kern blieben Markus Gauster und Christoph Miksch-Aichenegg übrig.

Als eingefleischte Traveller gaben sie auch weiterhin ihrem unersättlichen Fernweh nach und bereisten exotische Länder wie Guinea und Mauretanien (2000) sowie Krisenregionen wie Afghanistan (2005). Sie nutzten die ersten extrabreiten Freeride-Skis von der Fa. Fischer Sports bereits Ende der 90er und konnten damit trotz geringerer Trainingszeit schneller und steiler fahren.
2004 kombinierten sie die Faszination des ungewöhnlichen Skifahrens mit einer Reise in den Iran. Aber vorerst waren es nicht die Skier, sondern das Mountainbike wie in Kuba zehn Jahre zuvor, mit dem die Teammitglieder zusammen mit Helmut Stadler die von Touristen noch unberührte Bergwelt zwischen Teheran und dem Kaspischen Meer erkundeten. Auf dieser Reise entstand spektakuläres und eindrucksvolles Filmmaterial. Im Winter 2007 flogen Markus und Christoph noch einmal in den Iran, diesmal in Begleitung der jungen schneehungrigen Freeskier Stefan Golobic (er exekutierte den höchsten Sprung dort) und Martin Schuster, beide mit den breiten Brettln im Gepäck.
Die Kamera war auch wieder dabei und dokumentierte die Besteigung – mit Tourenskiern – des über 5.000m hohen erloschenen Vulkan Damawand.  Vom Norden Teherans aus führt eine österreichische Doppelmayr-Kabinenseilbahn aus den 1970ern auf den Hausberg Tochal. Von Dezember bis Juni ist dort Skisaison und bei günstigen Schneeverhältnissen kann man 2.500 Höhenmeter bis nach Teheran im Gelände abfahren. Das Extreme Ski Team Austria fand dort herrlichen Pulverschnee vor und konnte, unter blitzblauem Himmel und Beobachtung vieler persischer Skigäste, Tiefschnee-Action filmen und fotografieren. Anschließend erkundete das Team das größte iranische Skigebiet Dizin. Dieses liegt etwa zwei Autostunden nördlich von Teheran und ist mit zwei langen Kabinenseilbahnen und antiquierten Teller- und Sesselliften ausgestattet. In Dizin wurden Skitouren bis auf über 4.000 m unternommen, wobei diese aufgrund der Lawinengefahr und des unbekannten Terrains besonders sorgfältig und zurückhaltend geplant wurden. Steilabfahrten, Felssprünge und Freeskiing, aber auch die kulturellen Besonderheiten abseits der Skigebiete – wie in der Königstadt Isfahan – wurden zu einer Mischung aus actiongeladenen sowie stimmungsvollen Filmsequenzen und Bildern verarbeitet, die dem Zuschauer ein anderes Gesicht des Iran abseits der gängigen Medienberichterstattung und Klischees vermittelt.  Anstelle der rockigen Actionvideos der 1990er produzierte das Team ein vielseitiges und buntes Porträt eines Landes, das mit seinen nuklearen Ambitionen in den westlichen Medien nur sehr selten gute Schlagzeilen bekommt.
Das Extreme Ski Team betitelte das 2004 und 2007 gesammelte Material mit „Abenteuer Iran“ und stellte eine mitreißende und informative Multivisionsshow zusammen. Die Freeski- und Mountainbikesequenzen wurden mit Musik unterlegt und zu einer Mischung aus Actionvideos und Dokumentation vor dem Hintergrund hinreißend schöner Landschaftsaufnahmen kompiliert. Aufschlussreich ist das Bild der iranischen Gesellschaft, vor allem der Jugend, bei der eine merkliche Aufbruchstimmung herrscht. Am Ende des Iran-Abenteuers stand eine komplizierte Rettungsaktion nach einem schweren Sturz von Stefan Golobic, der Gott sei Dank glimpflich ausging. Dieser Sport ist durchaus mit hohem Risiko verbunden, absolute Fitness und Geländekenntniss sind Voraussetzung.
Auf dem Goldeck legte Manfred Gritzner 2007 im hohen Skialter von 38 Jahren eine legendäre 90 Sekunden dauernde Fahrt im Steilhang mit extremen Jumps unter der Seilbahn hin, die als Trainingssequenz auch Eingang in „Abenteuer Iran“ fand.

Inzwischen ist auch der letzte nicht mehr ganz junge Skirebell und Obmann des Extreme Ski Team Austria mit 40 Jahren solide geworden und seit 2010 stolzer Vater einer Tochter. Was Markus Gauster und seine Frau Lisi im Mai 2009 nicht davon abhielt, in den indischen Teil Kaschmirs zu fliegen. Dort, nur einige Kilometer von Pakistan entfernt, zogen sie im Skigebiet Gulmarg die ersten Spuren unter dem Staunen der Grenzsoldaten. Im Mai war außer den beiden niemand in Kaschmir unterwegs, um die Kabinenseilbahn, die wie im Iran auf einen traumhaften Berg mit fast 4.000m Höhe hinauf führt, mit Skiern zu nutzen. Dazu kamen herrliche Skitouren mit einheimischen Bergführern. Übernachtet wurde tagelang in der Wildnis und neben der Stille beeindruckten unglaubliche Spuren von Schneeleoparden. Was für Kontraste, die in der langjährigen Konfliktregion Kaschmir für Eindrücke und Begegnungen sorgten, die nach einer Wiederkehr als „Skibotschafter“ verlangen: Ein neuer Film ist in der Pipeline. Denn eines ist klar: 
The Skidream never ends …