EIN ZAUN FÜR DIE EWIGKEIT

Veröffentlicht von: am 1. September 2010

Spålten klieben, Stecken spitzen, Zaunring bråten, Ring drahn!

 

Alljährlich Anfang Juni, bevor die Bauern das Vieh auf die Alm treiben, wird die Feld-pannalm in den Nockbergen, Gemeinde Feld am See, zum Schauplatz einer der ältesten bäuerlichen Traditionen im Alpenraum – dem Zaunringbraten.

Seit Generationen wird die von den Bergbauern entwickelte Kunst des Zäunens schon weitergegeben, und nach wie vor erfreut sich der traditionelle Kärntner Almzaun großer Beliebtheit und prägt die Landschaft der Nockberge. Kein Wunder, ist er doch ein Zaun für die Ewigkeit und leicht reparierbar. Weder Nägel noch Schrauben sind nötig damit der Zaun hält und eine ausgefeilte Technik macht das Austauschen einzelner Teile einfach.

Wichtig ist die Jahreszeit, man braucht „die mit’n Mai drin“.

Doch was braucht es bis so ein Zaun steht? Nun, erstens jemanden der etwas von diesem Jahrhunderte alten Handwerk versteht. Andreas Unterscheider ist so jemand, und von ihm ließ ich mich in die Geheimnisse rund um den traditionellen Kärntner Almzaun einweihen. Aufgewachsen auf der Feld-pannalm, ist ihm das Zaunringbraten seit frühester Kindheit ein Begriff. Schon als Kind half er mit, wenn Fichtenäste gestriefelt, auf offenem Feuer gebraten und von Hand zu einem Ring geformt wurden. Das erste Kriterium ist die Auswahl der Fichtenäste. Wichtig ist die Jahreszeit, man braucht „die mit’n Mai drin“. Was soviel heißt wie: Die Zweige sollen voll im Saft stehen. Und sie dürfen auch nicht von zu weit oben sein, bei ca. 1200m Seehöhe liegt hier die Grenze. Denn je weiter oben der Baum gewachsen ist, desto dünner und länger werden die Äste und desto weniger Saft haben sie.

Zuerst werden die Zweige „gestriefelt“, sprich von den feinen Ästchen befreit. Das erfordert viel Fingerfertigkeit und eine eigene Technik, die Rinde darf auf keinen Fall verletzt werden, da der Ast sonst verbrennt. Nach dem Striefeln kommen die Zweige in das Feuer und „kochen im Saft auf“. Das Gefühl, beziehungsweise der Geruch sagt dem geübten Zaunringbrater wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist um die Äste aus dem Feuer zu holen. Im Anschluss werden sie sofort gebogen und gedreht. Kaum vorstellbar, dass dies in früheren Zeiten ohne Handschuhe gemacht wurde! Früher wurden die beim Striefeln entstandenen Abfälle, „die Tasen“, dann als Streu für die Tiere verwendet und kamen in weiterer Folge als Dünger auf die Felder.

Nun haben die Ringe Zeit auszukühlen um in ihrer Form fest zu werden. In der Zwischenzeit werden die Stecken gespitzt und die „Spälten gekloben“. Bei den Spälten ist wichtig, dass sie den richtigen Dreh haben. Hier gilt: je weiter oben der Baum gewachsen ist, desto besser, da sich die dem Wind ausgesetzten Stämme von selbst drehen. Die Drehung ist wichtig um dem Zaun die nötige Spannung zu geben.

Während des Spaltens der Stämme werden diese also gedreht. Das erfordert von den Beteiligten einiges an Treffsicherheit. Hat man dann alle Bestandteile zusammen, ist der Zaun schnell aufgestellt. Zwei Stecken alle 1,5 Meter, die Spälten dazwischen und nach jeder Spälte, vielmehr dort wo die Stecken auseinander gehen, kommt ein Ring hin. Der Kunstfertigkeit und Erfahrung des Zaunbauers obliegt es die optimale Spannung zu finden. Ja und wenn der Zaun dann steht, dann steht er – auf ewig.

Nachwuchssorgen gibt es derzeit keine, und so wird es auch die nächsten Jahre noch heißen: „Spältn, Steckn, Ring – Bua laf, Bua spring!“

Zaunring bråtn

Da Våtta steaht
schoen obn aufn Feicht,
dås Östoachaschnatn
is richtig nit leicht.

Die Buebmen tomb die Öst
noacha striffln und spatzn,
und i tue a Holz z’såmm
zen Fajaånhatzn.

Die Öst übas Faja håbn
is rueßig und schwar,
i wisset ka Årbet,
dö graußlena war!

Då tråg i wohl anige
Blåttan davon,
bis die Knittl so wach sönd,
daß men sie z’såmmdrahnen kånn.

Aba, i kimm nit drum uma,
wånns a noch so raucht,
fürs Speltnzaunzäunen
wernd Zaunring gebraucht.