Die Gailtalerin

Veröffentlicht von: am 30. September 2010

„Den Mana tuats den Kopf verdrahn und schene Augn mochn bis sie als ganza ganz damisch san … jo die Gailtalerin, die Gailtalerin …“.

So sang schon Wolfgang Ambros über die Gailtalerin. Und was die Frau aus dem Gailtal so anziehend macht, ist wohl mitunter ihre Tracht. Farbenfroh und plissiert fällt sie aus dem Kärntner „Trachten-Rahmen“ und so begaben wir uns auf die Spuren dieser für eine Kärntner Region typische und beinahe schon kosmopolitische Tracht und ihrer Entwicklung.
Die  Untergailtaler Festtagstracht entstand aufgrund der „Sauren Wiesn“, so berichteten uns Frau Fischer und Frau Urban von Trachten Fischer, die wir in ihrer Werkstätte in Nötsch besuchten und die mittlerweile die einzigen Erzeuger dieser sagenumwobenen Tracht sind. Die sauren Wiesen begünstigten  die Pferde-, im speziellen die Noriker-Zucht, und so waren die Männer des Gailtals mit ihren Pferden als Säumer zwischen Nürnberg und Gemona mit ihren Fuhrwerken unterwegs um Waren aller Art in Fässern zu transportieren.
Le kaj si mi prinesel?
Was hast du mir denn mitgebracht?
Von ihren Reisen brachten sie den Gailtalerinnen Geschenke und Souvenirs aus allerlei Ländern mit, die heute Bestandteile der Festtagstracht sind. Mit Beginn der Motorisierung endete die Säumerei und zog regionale Veränderungen der Tracht mit sich.

Heute typisch  für das traditionelle „Bandlgwand“ (die Gailtalertracht besitzt keine festen Verschlüsse sondern wird lediglich mit Bändern gehalten) der Gailtalerin ist der aufwendig von Hand plissierte Rock mit grünem Saum, der große Unterrock, eine gestärkte Bluse, eine plissierte Wollstoff-Schürze, ein Kopftuch, ein Brusttuch und die aufwendig gestrickten „Zipflstutzn“ mit Strumpfband, ein Federkielgürtel und schwarze, bestickte Stiefel.

Was allerdings heute unter „original“ verstanden wird oder getragen werden soll, war nicht immer so. Getragen wurde was gefiel, was man selbst erzeugte und was von den Händlern mitgebracht wurde. Auch heute noch, erzählt uns Frau Fischer, ist die Gailtaler Tracht eine „Klaubertracht“. Stoffe für die Schürzen aus Frankreich, Material für die „Pintlhaube“ aus Südtirol oder Tücher aus Russland und der Ukraine verhelfen der Tracht zu ihrem farbenfrohen Aussehen. So zeigt auch der plissierte Rock, speziell die Rocklänge und das Plissee, deutlich den Einfluss aus dem slawischen Raum.
Getragen wird die Festtagstracht im Gailtal in erster Linie zum Jahreskirchtag, also zum Kufenstechen und zum Lindentanz. Zwischen dreißig Minuten und einer Stunde kann das Anziehen der Tracht dauern. Ist es dann aber soweit, wird das Mädchen, zum Beispiel in Nötsch und Saak, mit einem lauten Jauchzer und einem „Buschl“ vom Burschen abgeholt, zur Kirche gehen sie dann jedoch getrennt. Am Nachmittag finden dann das traditionelle Kufenstechen und der Tanz unter der Linde statt.

DAS KUFENSTECHEN
Hierbei versammeln sich zahlreiche Besucher am Dorfplatz um das Spektakel zu beobachten. Die Burschen tragen die Kufe (das Fassl, ein mit Haselnussstreifen umwundenes Eichen- oder Fichtenfass das an den früheren Berufstand der Fuhrleute erinnert, die die Fässer als Transportbehälter verwendeten). Nicht weit vom Fass entfernt versammeln sich die Reiter mit ihren reich geschmückten Pferden und sobald die Polka anstimmt, reiten sie auf die Kufe zu und versuchen sie mittels Schlegel zu zertrümmern. Dieses Szenario wiederholt sich solange bis die Kufe zertrümmert ist. Ist das Fass zerschlagen, beginnt das Stechen nach den Haselnussstreifen, die als Andenken mit nach Hause genommen werden.

DER LINDENTANZ
Im Anschluss ans Kufenstechen wird getanzt: Die Paare gehen gegen den Uhrzeigersinn sternförmig im Kreis, ist die Strophe zu Ende jauchzen die Burschen, die Musik beginnt zu spielen und aus der Sternform bilden sich einzelne Paare, die unter der Linde auftanzen.

Und wie es Gerüchte und Legenden um die Anzahl der Unterröcke der Gailtalerin gibt, so gibt es auch eine Sage zum Tanz unter der Linde: „Vor Zeiten mischte sich zuweilen unter die Tanzenden unter der Linde ein unheimlich aussehender Jäger mit rothen Federn am Hute, bald diese, bald jene Gitsche (Mädchen) zum Tanze auffordernd. Er tanzte mit jeder solange, bis sie todt zu Boden fiel. Sobald er auf dem Tanzboden erschien, erfasste alle ein Schrecken. Wie er gekommen, ohne dass man es merkte, so war er verschwunden. Die Leute wussten sich nicht zu helfen und zu rathen. Seit man aber  den Tanz unter der Linde mit dem (religiösen) Liede : „Bog nam daj..“ eröffnet, hat sich der unheimliche Gast nicht mehr sehen lassen.“
Aus „Sagen aus dem Gailthale“ von Franz Franziszi.