Der Schmerz vergeht…

Veröffentlicht von: am 29. September 2010

…der Stolz bleibt!

Dass die Transalp kein Hobbyrennen ist, war den beiden passionierten Mountainbikern Bernhard Kraker (37) und Norbert Fischer (28) aus Villach klar. Trotzdem vermuten die beiden Kärntner nur annähernd, was auf sie zukommt, als sie sich im Juli 2009 in Richtung Mittenwald in Deutschland begeben. „Der Aufwand ist ein sehr großer und voller Entbehrungen. Für gesellige Typen wie uns bedeutet das Einschränkungen im täglichen Leben“, schmunzelt Kraker. Für ein halbes Jahr wurde der ganze Lebensrhythmus auf das Rennen abgestimmt. Trainingspläne, Ernährungsumstellung, Betreuung und Checks durch Sportärzte waren selbstverständlich. „Das Leben besteht sechs Monate nur aus arbeiten, trainieren und schlafen“, so Kraker, der mit seinem  Freund Norbert Fischer in dieser Zeit rund 600 Stunden auf dem Rad verbracht hat. Umgerechnet sind das drei Wochen und vier Tage durchgehendes Training. Es wurden unglaubliche 150.000 Höhenmeter absolviert. Für die beiden Naturburschen Kraker und Fischer mehr Segen als Fluch. „Radlfahren passiert halt einmal in der Natur – Gott sein Dank. Eine Umgebung, wie wir sie in Kärnten haben, bietet im Grunde die Möglichkeiten für ein ganzes Jahr Training“, so Kraker. „Wenn man alles vor der Haustüre hat, ist man blöd, wenn man diese Gegebenheiten nicht ausnützt.“

Der Spalt zwischen Wunsch und Wirklichkeit…
Nach einem Jahr Vorbereitung, einem halben Jahr gezieltem Training mit professioneller Betreuung, dem Auseinandersetzen mit dem Höhenprofil und der Strecke sowie der Erfahrung mit der Untergrundbeschaffenheit der Dolomiten, wähnt man sich gut vorbereitet. Trotzdem, der Spalt zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist oft ein großer. Kraker weiß, dass man die Faktoren, die mitspielen, nicht alle kalkulieren kann. Das Training ist die eine, die Wetterlage, das Material, und vor allem die psychische Verfassung sind die anderen – weniger beeinflussbaren – Seiten. Die beiden sind sich bewusst, dass 80% ihrer Leistung körperlich sein wird. Ganze 20% passieren aber im Kopf. Daher ist das Ziel, das sich die beiden für das Rennen gesetzt haben, durchkommen – aber nicht um jeden Preis. Es soll der Spass überwiegen.

18. – 25. Juli 2009: 3 Länder, 8 Orte, literweise Schweiß und Adrenalin pur
Begleitet von ihren beiden Freundinnen reisen sie mit ihren Wohnmobilen zur Startetappe der Bike Transalp an. Sie haben sich für ein mobiles Heim entschieden, das sie auf der achttägigen Tour begleitet. Die andere Alternative wären Schlafstätten in den jeweiligen Etappenorten gewesen, was einem aber nicht die nötige Ruhe abbekommen lässt. Tägliches Erwachen um 6.00 Uhr morgens, um 9.00 Uhr starten die Etappen. Um 12.00 Uhr erreichen in der Regel schon die ersten Teams das Ziel. Wer es bis 18.00 Uhr nicht schafft, ist disqualifiziert. Intensive Tagesabläufe also, die nach Rückzugsmöglichkeiten verlangen.

22.100 Höhenmeter in 8 Tagen
Der ersten Etappe wird nervös entgegengeblickt. Umsonst – denn sie wird abgesagt. 20 cm Neuschnee auf einem der Gipfel machen eine Querung mit dem Rad unmöglich. Also geht’s mit dem Wohnmobil zum zweiten Etappenort Pfitscherjoch. Der Auftakt verläuft dann planmäßig und 25°C mehr erheben die Gemüter. Am dritten Tag hat sich der Puls normalisiert und die beiden haben gut ins Rennen gefunden. Mit Tag vier steht auch die Königsetappe bevor. Das Höhenprofil flößt Respekt ein. 3.665 Höhenmeter der gesamten 22.100 fallen auf die Etappe von Brixen nach St. Christina. Das Bergauffahren ist aber die große Stärke der beiden Kärntner, daher kommt ihnen dieser Abschnitt zugute. Sie können unter die Top 200 aufholen. Für Kraker und Fischer ist es dann der fünfte Tag, der sie Tribut zollen lässt. Drei Defekte bringen den Gedanken an zeitliche Probleme auf. Als der dritte von vier Ersatzschläuchen aufgebraucht ist, wird das ganze Rad getauscht. Man will keine Risiken eingehen. Die verlorene Zeit wird jedoch gelassen genommen. „Den Großteil des Rennens fuhren wir mit einem Lächeln auf den Lippen“, ein Blick auf die Bilder bestätigt Krakers Aussage. Auch Tag sechs und sieben bringt das Kärntner Team, trotz 35°C Saharawind und zahlreicher Stürze im Feld, unversehrt hinter sich. Dadurch, dass sie immer in ihrem Pulsbereich fahren und nie ihre Limits herausfordern, sind sie auch absolut zufrieden mit ihren Leistungen. Das Rennen im Gesamten ist ein faires Miteinander, sehr freundschaftlich und kollegial. So sind es zwei Tiroler, die ihnen bei ihrer Panne helfen. Am Ende fahren sie in einer starken Gruppe mit Norwegern und Schweden. Die achte und letzte Etappe war geprägt von einem 20-kilometerlangen Zielsprint. „Wenn das Ziel greifbar ist, spürt man gar nichts mehr, es ist Adrenalinausschüttung pur“, beschreibt Kraker den schönsten Moment des Rennens. „Wenn der Druck abfällt, ist man nur mehr überglücklich, dass alles gut gegangen ist, körperlich wie mental.“
Wie heißt’s so schön?  Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt!

Nie wieder?
Von wegen! Neue Route, neue Herausforderung. Bernhard Kraker und Norbert Fischer wagen es 2010 auf ein Neues und geben sich ein weiteres Mal der Transalp hin. Das Rennen findet von 17. bis 24. Juli 2010 statt.
Das Ziel ist diesmal eine Platzierung unter den Top 100. Das Training ist darauf ausgelegt und der Plan ist es, täglich eine Stunde zu gewinnen. Trotzdem bleibt der Spaß immer im Vordergrund und das Ziel, gesund über die Runden zu kommen, hat nach wie vor absolute Priorität. Was bewegt einen dazu, sich denselben Mühen ein weiteres Mal auszusetzen? Die persönliche Motivation der beiden ist es, über einen bestimmten Zeitraum eine Konsequenz an den Tag zu legen, die sie sonst nicht halten würden.

Und 2011? „Sicher nicht noch mal!“ Wir werden ja sehen.

Bernhard Kraker und Norbert Fischer erreichten bei der Jeantext Bike Transalp 2009 den 170. Gesamtrang. Sie widmen das Rennen ihrem guten Freund Werner Schellander, der im Vorjahr verstorben ist.

BIKE TRANSALP – HARD FACTS…

… Härtestes Mountainbike Etappenrennen, bei dem die Alpen gequert werden. Es zieht sich durch drei Länder: Deutschland, Österreich und Italien
… Etappen 2009: Mittenwald – Reith – Mayrhofen – Brixen – St.Christina – Sarnthein – Kaltern – Andalo – Riva del Garda
… Teilnehmer: Max. 550 Zweierteams
… Regeln: Die Teams müssen aus zwei Personen bestehen, beide müssen die Etappen gemeinsam bewältigen und die Ziellinie zusammen queren.
… Start jeder Etappe ist um 9.00 Uhr morgens, man muss bis spätestens 18.00 Uhr die Tagesetappe beendet haben – andernfalls ist man disqualifiziert.
… Übernachten kann man entweder in der bereitgestellten Unterkunft oder man entscheidet sich für Selbstversorgung.
… Startgeld pro Team: € 1.250,-