CB Radical Tradition

Veröffentlicht von: am 30. September 2010

Eine zeitgenössische Form der Gailtaler Tracht.

Christina Berger studierte Mode an der Universität für angewandte Kunst Wien unter Raf Simons (heutiger Chef-Designer von Jil Sander) und Veronique Branquinho, wo sie 2006 das Adlmüller Stipendium erhielt.

„Ich entwerfe Mode für zeitgenössische Heldinnen, die sexy, intelligent, sensibel und humorvoll geboren sind“. Wonder Woman ist das grundlegende Vorbild ihrer Entwürfe. Christina Berger verarbeitet darin verschiedene Klischees und Frauenbilder der Gesellschaft, sowie die oftmals oberflächliche Konstruktion von Weiblichkeit mit bewusst überhöhter, provokanter Ironie. Dabei greift sie auf Vorbilder wie Heidi, Geierwally, Wonder Woman u.a. zurück, um durch starke Kontraste Spannungsfelder zwischen Tradition und Moderne, zwischen Tabus und gesellschaftlicher Norm zu erzeugen. Ihr bevorzugtes Material ist Strick. 2007 präsentierte sie erstmals eine Kollektion in Paris im Showroom von Anna Flatz. 2009 erhielt Christina Berger den Modepreis der Stadt Wien.

CB RADICAL TRADITION ist die Bezeichnung für ein seit der Labelgründung im Jahr 2007 bestehendes Projekt und konzentriert sich auf die Bewahrung traditioneller Formen und traditionellen Handwerks, sowie deren Verknüpfung mit zeitgenössischem Modedesign. 2010 nimmt sich Radical Tradition wieder einmal mehr typischer Kärntner Trachtengewänder an, und verknüpft sie mit anderen traditionellen Alpengewändern und zeitgemäßen Formen.

Die Kollektion  umfasst ca 15 Kollektionsteile (inkl. Accessoires wie  bestickte oder gestrickte Gürtel, Strümpfe, etc.).
PLEAMLE: Warum hast  du genau die Untergailtaler Festtagstracht als Vorlage verwendet?
CB: Ich denke, dass meine Faszination wohl an einem der vielen Kirchtage aufgekommen sein muss. Genauso wie die ungarischen Festtagstrachten hat mich auch die Gailtaler Tracht durch ihre bunte und lebensfrohe und für mich durchaus moderne Erscheinung  begeistert. Die Frauen in ihren Trachten sehen einfach so aus, als könnte sie nichts umhauen.
PLEAMLE: Deine Interpretation der Tracht trägt den Titel RADICAL TRADITION. Seit wann gibt es das Label?
CB:  Die Bezeichnung „Radical Tradition“ entstand erst heuer, allerdings gibt es die Beschäftigung mit traditionellen Themen und Brauchtum oder alpinen Stereotypen eigentlich schon seit Jahren bzw seit der Gründung des Labels im Herbst 2006. Die erste Kollektion die sich mit alpinen Traditionen auseinandersetzte hieß „Du hochlandwilde scheue Maid“. In dieser Kollektion versuchte ich erstmals traditionelle und moderne Themen zu mischen, um sie in einen zeitgemäßen Kontext zu bringen.  In den Saisonen danach folgten Kollektionen mit dem Titel: „Heidi was a Serial Killer Volume 1&2“ oder „You did a great blow job, Brigitte!“ (eine Kollektion zum Thema Blasmusikkappellen)
PLEAMLE: Was hat dich am meisten an der Originaltracht fasziniert?
CB: Was mich am meisten an der Tracht faszinierte war wohl der aufwendig gemachte Rock und die Strümpfe.
PLEAMLE: Was ist der Unterschied zwischen der originalen Tracht und deiner Version?
CB:  Ich würde meine Version eher als eine „Erinnerung“ an die Originaltracht sehen als eine weitere Tracht. Sozusagen eine reduzierte moderne Variante der Tradition, die auch über das Gailtal hinaus getragen werden soll. Im Gegensatz zum Original ist mein Rock gerade und erinnert mehr an einen „Businessrock“ als an ein Trachtengewand. Was allerdings auch bei meiner Variante nicht fehlen darf sind die aufwendig gestrickten Stutzen. Diese sind im Original weiß, bei meiner modernen Form sind aber auch blaue Strümpfe erwünscht und die roten Gummistrumpfbänder durch lederne ersetzt. Auch der aufwendige Unterrock der Tracht wurde bei mir durch ein langes Hemdkleid ersetzt, welches ein Stück unter dem grünen Rocksaum hervorragt.
PLEAMLE: Kann man deine Variante der Tracht auch im Alltag tragen?
CB:  Ich denke ja und gerade das war auch der Ansatz, diese Form zu designen.
PLEAMLE: Wie wird es bei dir weitergehen? Gibt es auch zukünftig Neuinterpretationen  traditioneller Trachten??
CB:  Bis spätestens nächstes Jahr wird es auch eine Herren-Version der Gailtaler Tracht geben und nebenbei arbeite ich gerade an meiner neuen Herbst/Winter 2011/12 Kollektion namens ANTI-AGE, die ebenfalls traditionelle Einflüsse hat und die Mitte Jänner in Berlin präsentiert wird.
PLEAMLE: Was kostet das Outfit?
CB: Das komplette Outfit kostet ca 1.200 Euro, wobei der Preis je nach Stutzen-Modell variieren kann.
PLEAMLE: Wo sind deine Kollektionen derzeit erhältlich?
CB: Unter anderem im Pleamle Shop Villach.