BULLY AN DER BLAUEN

Veröffentlicht von: am 1. September 2010

Die Eishockeybegeisterung in der Hochburg Kärnten kennt seit jeher keine Grenzen und das Aufeinandertreffen von KAC und VSV führt, wie kein anderer Sport in Österreichs südlichstem Bundesland, zu Herzklopfen bei Spielern und Fans. Das Pleamle Magazin traf sich mit KAC-Legende Sepp Puschnig und dem VSV-Jungstar Philipp Pinter um über Tradition und Moderne im Eishockeysport zu plaudern. Große Veränderungen, etliche Gemeinsamkeiten und zahlreiche Anekdoten sind dabei ans Tageslicht gekommen.

Zweimal am Tag geht es für Philipp Pinter zum Training in die Villacher Stadthalle. Dann stehen da noch bis zu drei Matches die Woche auf dem Programm und nebenbei versucht der 24jährige VSV-Spieler noch ein bisschen etwas für die Uni zu machen.
„Nebenbei Eishockey gespielt“ hat Sepp Puschnig. Der, von den Fans liebevoll mit dem Spitznamen Karawankenbär bedachte Klagenfurter, arbeitete ja hauptberuflich beim Straßenbauamt. Jeden Abend ging es noch zum Training und mit Liga-, Europacup- und Nationalteam-Einsätzen brachte es der heute 63jährige auch auf ähnlich viele Matches wie die Cracks von heute.

Verändert haben sich vor allem die Geschwindigkeit, Taktik und die Trainingsmethoden des Sports. Härter ist das Eishockey aber nicht geworden, denn laut Pepe Puschnig „worn schon domols a poar Solza dabei“.
Beim Material tat sich in den letzten 40 Jahren natürlich einiges. Vom Schlittschuh bis zum Helm ist alles leichter geworden und vor allem die neuen Carbonstöcke bringen im Vergleich zu den alten „Holzprügeln“ einen spürbaren Vorteil, erzählt VSV-Mittelstürmer Pinter. Eine witzige Anekdote schüttelt Pepe Puschnig zu diesem Thema aus dem Ärmel: „Als damals die kanadischen Legionäre mit gebogenen Schaufeln dahergekommen sind, haben einige von uns gleich alles nachmachen müssen. Nur mit den selber gebogenen Stecken

haben alle von zwei Meter, oft gleich vier Meter drübergeschossen“, schmunzelt der Karawankenbär.

Liebe und Hingabe zum Eishockeysport sind den beiden gemeinsam. Philipp wollte schon als Kind immer in die Eishalle. Seinen ersten Eishockeyschläger hatte er mit fünf Jahren in der Hand und dann wollte er sowieso nie mehr etwas anderes machen. Für Pepe ging es via Ehrentaler Teich und alten KAC-Natureisplatz in die Messehalle. „Damals hat es in der Halle kein Plexiglas gegeben, da hast dem, der in der ersten Reihe gesessen ist, die Hand geben können“, erzählt Puschnig, der dort als 16jähriger in der Kampfmannschaft des KAC debütierte. Im selben Alter feierte auch Pinter seine Premiere im VSV-Dress. Seinen eigenen Worten nach: „Ein junges Talent, das ein paar mal ‚ummagspritzt‘ is am Eis“.

Drei Jahre später führte ihn sein Weg in die amerikanische Juniorenliga USHL und danach folgten weitere vier Jahre in Salzburg. Nun ist der verlorene Sohn wieder in Villach gelandet und fühlt sich hier pudelwohl.

Wohl gefühlt in Kärnten hat sich auch der Karawankenbär immer. Angebote aus Deutschland und Nordamerika waren ja vorhanden, doch Puschnig blieb dem KAC immer treu. 13 Meistertitel, unzählige WM-Teilnahmen, etliche Europacupeinsätze und drei Olympische Spiele später, beendete er im Alter von 33 Jahren seine Karriere. „Ich hätt ja noch ein paar Jahre spielen können, doch dann hätt ich nichts von meinem Sohn gehabt“, erklärt Puschnig den Grund für seinen frühen Rücktritt. Schade findet er, dass heute kein Kräftemessen der heimischen Vereine mit ausländischen Spitzenteams zustande kommt. Erinnerungen an den 10. und 12. Oktober 1968, als der KAC im Finale des Europapokals den damaligen

UDSSR-Meister ZSKA Moskau empfing (1:9 und 3:14) werden dabei wieder wach.

Vergleiche mit Spitzenteams aus Europa sind auch für Philipp Pinter sehr interessant. In Salzburg ist er während der Vorbereitung ja öfter in den Genuss gekommen gegen Teams aus den Topnationen anzutreten. Begeistert erzählt er von seiner guten Vorstellung und seinem Treffer gegen das NHL-Team der LA Kings vor zwei Jahren.

Negativ sieht Josef Puschnig, dass sich die Akteure heute „nicht mehr anschauen lassen“. „Früher sind die Spieler bei der Halle vorne reingegangen und auch vorne wieder raus gegangen. Auch wenn wir verloren haben gingen wir in die Kantine. Und dann habens diskutieren anfangen, jo mei!“
Philipp Pinter findet auch, dass Spieler für die Fans greifbarer sein sollten. Er verrät, dass es den Spielern in den letzten Jahren in Salzburg sogar verboten war, sich nach dem Spiel mit den Fans zu unterhalten. Allerdings gibt Fipo zu bedenken: „Wenn ich heute in die Eishalle gehe, ist noch kein Fan da. Nach dem Match wird noch ausgeradelt und gedehnt und dann sind die Fans ja auch schon wieder weg.“ Er findet, dass gute PR-Aktionen des Vereins die Spieler für die Anhänger weitaus zugänglicher machen könnten. „Da passiert überall

zu wenig!“
Außerdem ist man ja als Spieler den Zusehern sowieso schuldig, seine bestmögliche Leistung abzurufen – Tag ein, Tag aus, lautet einer von Fipo‘s Leitsätzen. „Lustlos am Eis herumzukurven“, kommt für ihn nicht in Frage, das haben sich die zahlenden Zuseher nicht verdient.

Ähnlich sieht das auch der Karawankenbär: „I hab für mi gspielt weil i gerne gespielt hab, und natürlich für die Zuseher, und der Rest ist von alleine gekommen.“ Überdies hat Geld für ihn nie eine große Rolle gespielt. Verdient haben sie damals „schon a bißl was“, aber halt zu wenig und Verträge gab es sowieso nicht. „Alles per Handschlag, aber da hat immer alles

gepasst.“
Im Vordergrund stand die Kameradschaft und die Mannschaft ist auch über Jahre hinweg fast dieselbe geblieben. „Wichtig wor a Gaude, a bissl zomsitzn und schon hots hinghaut“, erklärt der Puschnig das damalige Erfolgsrezept.

Ohne Verträge kann sich Philipp Pinter den Eishockeysport heutzutage gar nicht mehr vorstellen. „Natürlich geht es auch ums Geld“, meint der Mittelstürmer, „und ein guter Kontrak

t ist ein wichtiger Faktor, aber nur des Geldes wegen spiele ich nicht Eishockey, dafür liebe ich den Sport zu sehr.“

Was die beiden mit dem Kärntner Derby verbindet.
„Umgezogen hamma uns im Turnsaal, Leit worn a Haufn und gwunnen homma mir“, erinnert sich der Karawankenbär an ein Freundschaftsspiel, das er als Junger in St. Martin bestritt. Da der VSV zu Puschnigs Zeiten nicht in der Bundesliga spielte, blieb diese Begegnung für den Sepp auch das einzige Derby. An seinen verstorbenen Teamkollegen „Flury“

Felfernig, den ersten für den KAC spielenden Villacher, kann er sich aber noch sehr gut erinnern. Und dann wäre ja da noch der Sohn des Karawankenbären. Andreas Puschnig sorgte ja 1997 für großes Aufsehen und zahlreiche schwer beleidigte KAC-Fans, als er im „Tausch“ gegen Gerald Ressmann von Klagenfurt in die Draustadt wechselte.
Mit dem Andi hat dann auch der Fipo noch in Villach zusammengespielt und sich einiges abgeschaut. Aber darf man als Villacher überhaupt zum KAC wechseln und umgekehrt? Kurze Überlegungen gab es auch bei Philipp Pinter, zumindest wie das so wäre gegen die alten Freunde zu spielen. Das hat er zwar mit Salzburg auch getan „und die sind die Gehasstesten von allen, aber da war es eigentlich wurscht. Doch wenn ich ein Derby auf der anderen Seite spiel…, na, das will ich mir gar nicht vorstellen.“

Schmerzlich in Erinnerung ist ihm noch sein letzter Derbyauftritt im Jahr 2004, als der VSV dem KAC im letzten Spiel einer denkwürdigen Finalserie erst in der Verlängerung unterlag. Emotionen spielen bei einem Derby immer eine große Rolle und Fipo weiß ein Lied davon zu singen. Fünf Jahre lang drückte er im BORG-Klagenfurt die Schulbank. Als einziger VSV Spieler, nur mit KAC-Spielern in der Klasse. In der Meisterschaft traf man dann nicht nur in der Jugend, sondern zeitgleich auch in der Kampfmannschaft aufeinander. „Am Eis, sagt man, zählt die Freundschaft nicht, sondern nur die Punkte. Nach dem Spiel ist das aber alles vergessen“. In seinem Fall: „Seg ma uns morgen in da Schul wieder.“

Sepp Puschnig wurde bis dato als einziger österreichischer Spieler in die Hall of Fame des IIHF aufgenommen, 1999 wurde ihm diese Auszeichnung im Rahmen einer Zeremonie in Fort Lauderdale verliehen. Seit damals ziert sein Name die Ehrentafel in der Hall of Fame in Toronto, gleich neben Peter Statsny und Boris Mikhailov. Sein Credo als Spieler: „Du musst immer an Schritt schneller sein als der Gegner, donn passt!“

Sepp „Karawankenbär“ Puschnig…
… hat das Eishockeyspielen ohne Helm
… angefangen und mit Helm aufgehört
… ist regelmäßig mit dem Fahrrad zum

… Training gefahren
… hat nie einen Sportlervertrag unterzeichnet
… geht heut nicht mehr zu den KAC-Spielen
… ist dreifacher Olympiateilnehmer und
… hat unzähligen WM- und Europacup-

… Einsätze hinter sich
… spielte immer mit der Nummer 7
… war mit dem KAC 13 mal Meister, davon
… 10 mal en suite
… spielte 1968 im Europacup Finale gegen

… ZSKA Moskau
… hat sich während seiner Karriere nie
… schwerer verletzt
… hat 40 Jahre beim Straßenbauamt
… gearbeitet

Philipp „Fipo“ Pinter…

… mag Windsurfen, Wellenreiten, Beachvolleyball und „bullshitten“ :)
… wünscht sich von seiner Mamma immer Kasnudln
… trinkt am öftesten Wasser
… steht dann noch auf italienische Küche

… und auf Freundin sowieso
… trägt die Nummer seines Geburtsjahres ’85 auf dem Trikot
… mag das Kribbeln im Bauch wenn er in Villach in der Halle einläuft
… beschreibt sich selbst als ehrgeizigen Typ
… hat gemeinsam mit Bernd Brückler Yoga gemacht

… ist als erster beim Training und geht als letzter nach Hause
… denkt, dass Gesundheit das Wichtigste ist und wenn man hart
… arbeitet, dann kommt das Meiste eh von alleine