Ein Turm tanzt auf dem Pyramidenkogel

Veröffentlicht von: am 31. August 2010

Aus der Symbiose von Tradition und Innovation entsteht ein neues visionäres Symbol für die Region

Wir befinden uns im Gemeindegebiet von Keutschach (südlich des Wörthersees) auf einer Höhe von 851 Metern. Hier erhebt sich mit einem beeindruckenden Ausblick über die umliegenden Hügelketten und den Wörthersee, von der Landeshauptstadt bis hin zu den Karawanken, der Pyramidenkogel. Um die Besonderheiten des Ortes, den Rundblick und den direkten Bezug zur Landschaft mit den heutigen touristischen Anforderungen zu vereinen, entschloss sich die Gemeinde zu einer zeitgemäßen Lösung für den Neubau des Aussichtsturms. Er soll sich auf lokale Bauweisen beziehen, aber durch innovative Konstruktionsmethoden ein modernes, Identität stiftendes Bauwerk darstellen.

So wurde Anfang 2007 ein zweistufiger, geladener Wettbewerb ausgeschrieben, an dem fünf namhafte österreichische Architekturbüros in Zusammenarbeit mit Tragwerksplanern ihrer Wahl teilgenommen haben, um den 1966 erbauten 54 Meter hohen Stahlbetonturm mit drei Aussichtsplattformen zu ersetzen. Bei der Wahl des Baumaterials für den neuen Turm entschieden sich die Organisatoren für den technisch und gestalterisch enorm vielseitig einsetzbaren, heimischen Rohstoff Holz, um die regionale Wertschöpfung sowie die Nachhaltigkeit der Konstruktion zu gewährleisten. Damit knüpft der neue Turm, mit dessen Bau noch in diesem Jahr begonnen werden soll, an den ersten 1950 errichteten siebenstöckigen Holzturm an. Für die Realisierung müssen zwar noch einige Hindernisse überwunden werden, doch die Eröffnung des neuen Wahrzeichens ist für die Sommersaison 2009 geplant.
Nach einer Überarbeitungsphase der drei ausgewählten Projekte, entschied sich die hochkarätig besetzte Wettbewerbsjury im August 2007 schließlich einstimmig für die Klagenfurter Architekten Klaura + Kaden, als Sieger. Deren Entwurf einer dynamischen und gleichzeitig Ruhe ausstrahlenden Figur ist gemeinsam mit dem Villacher Statiker Markus Lackner und dem Klagenfurter Lichtkünstler Hanno Kautz entstanden.
Im Juryprotokoll ist dazu zu lesen: „ …durch die Auflösung des tragenden Turmschafts in eine großmaßstäbliche periphere Tragstruktur, die den Innenraum freistellt und flexible Nutzungen ermöglicht, überzeugt. Die organische Großform ist nach geometrischen Regeln geschaffen, die eine optimale Wiederholung gleicher Teile ermöglicht.“

Das Projekt möchte die Grenzen der gegenwärtigen technischen, materiellen und architektonischen Möglichkeiten überschreiten
und ein zukunftsweisendes Symbol sein.
Um den damit verbundenen komplexen Anforderungen an Konstruktion, Nutzungsmöglichkeiten, Gestaltung sowie ökonomischen Faktoren gerecht werden zu können, war es den Architekten ein besonderes Anliegen, sich mit dem Ort der Entstehung gründlich auseinander zu setzen und interdisziplinär zu arbeiten. Die gewählte Spiralform ist von natürlichen Vorbildern inspiriert und lässt für den Betrachter alle Tragwerkskomponenten erkennbar nachvollziehen. Die weitgehend aufgelöste Holzkonstruktion besteht aus achtzehn senkrecht stehenden, geschwungenen Brettschichtholzrippen, die geometrisch auf einer jeweils um 20 Grad rotierenden Ellipse auf insgesamt elf Konstruktionsebenen basieren und von horizontalen Ringen sowie schlanken Stahldiagonalen stabilisiert werden. Die Krümmungsradien der Stützen wiederholen sich, dadurch sind die einzelnen Teile
in regelmäßigen Abständen jeweils parallel
höhenversetzt und erleichtern so die Herstellung mit gleichen Elementen. Die elegante Silhouette aus einem das Sonnenlicht reflektierende Edelstahlnetz tritt je nach Blickwinkel des Betrachters ständig
variierend in Erscheinung und agiert durch seine behutsame Lichtinszenierung auch bei Nacht. So fügt sich diese Skulptur des „tanzenden Turms“ als landmark mit starker Anziehungskraft gleichzeitig sehr unaufdringlich in den Naturraum Kärntens ein.

Als besonderes Raumerlebnis führen auf den insgesamt 100 Meter hohen Turm entlang der Spirale zwei parallel gegeneinander laufende Aussichtsstiegen, durch deren Ersteigung man auf der obersten Besucherplattform in 83 Metern Höhe einen faszinierenden 360°-Panoramablick erhält. Auch von den beiden darunter liegenden Ebenen kann der Ausblick genossen werden, wobei diese Plattformen für verschiedene Funktionen, wie z.B. Sanitäranlagen, dienen. Einen speziellen Reiz besonders für Kinder bietet die Rutsche, die direkt von einer Plattform des Bauwerks aus einer Höhe von 66,5 Metern in die Tiefe führt, im Notfall aber zugleich einen schnellen Evakuierungsweg ermöglicht. Den Kern des Bauwerks bildet der zentrale, transparente Aufzug, mit dem der Besucher das auf 70 Metern Höhe liegende Turmcafe zu einer Stärkung erreichen kann. Im Basisgebäude, das mit dem Turm ein Ensemble bildet, wurden dem Wunsch der Gemeinde entsprechend neben einem Restaurant auch flexibel nutzbare Bereiche geschaffen, um auf zukünftige Entwicklungen reagieren zu können. Dadurch kann die betriebswirtschaftliche Effizienz und Kundenfreundlichkeit sowohl für Familien und Reisegruppen als auch für Geschäftsleute und Fachpublikum langfristig garantiert werden.
Durch das umfangreiche Nutzungsangebot und die harmonische Konstruktion unter Berücksichtigung lokaler Traditionen stellt der Aussichtsturm am Pyramidenkogel einen herausragenden Beweis für moderne alpenländische Holzbaukunst dar.

„Der „Pyramidenkogeln neu“ wird ein wichtiges, positives und nachhaltiges Zeichen für den konstruktiven Holzbau setzen, welcher weit über die Grenzen Kärntens hinausgehen wird.
Er wird die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Werkstoffes Holz in seiner ganzen Schönheit darstellen.“
LIM KR Ing. Herbert EBNER

Architektur:
Klaura und Kaden Architekten
Tarviserstraße 80, 9020 Klagenfurt
www. http://www.klaura-kaden.at

Tragwerk:  DI Markus Lackner, Villach
Licht + Erlebins: DI Hanno Kautz, Klagenfurt